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Fürwahr (nicht) für immer

Veröffentlicht: Samstag, 28. April 2012

Manchmal liegen Fußminuten zwischen Menschen, manchmal Flugstunden, manchmal Eiszeiten und gelegentlich alle drei zusammen. Es ist der Moment, in dem wir wissen, dass wir nicht mehr in den nächsten Flieger steigen, geschweige denn uns von der Couch erheben würden, in dem wir uns endlich von der Illusion des „Für immer“ befreien. Es gibt eben kein „Für immer“, selbst die Eiszeit dauerte nicht ewig an. Warum also Eisbrechen, wenn sich manche Dinge ohnehin erledigen, ohne dass wir gegensteuern können? Wir eisen uns los und brechen lieber in neue Gefilde auf. Kingt nach der „Wanderhure“, ist aber nicht so gemeint.

Die Worte „Für immer“ gehen uns schnell über die Lippen, wenn auch nur gehaucht. In unseren Köpfen schwirren sie sogar noch häufiger herum als in den von Kerzen durchleuchteten Räumen, in denen Liebesschwüre abgelegt und Blutfreundschaften besiegelt werden. Als Teenager haben wir „4-Ever“ mit dünnen Filzstiften auf Ledermäppchen gekritzelt und nach Schulschluss die Namen unserer Geliebten nebst den eigenen mit gleicher Inbrunst in den Kirschbaum geritzt. Herz drum. Fertig.

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Die Mäppchen existieren nicht mehr, die Bäume eventuell. Vielleicht sitzen heute nur andere in den Ästen und schauen schmunzelnd auf die Welt da unten, um sie wenig später mit Kirschkernen zu bespucken. Fakt ist: Sind wir erstmal runter gekommen, bleiben wir zunächst am Boden. Der Tatsachen-Check lässt spätestens auf den zweiten Blick erahnen, dass der Abstieg letztendlich positiver sein könnte als zuerst angenommen.

Im Himmel mag die Freiheit unendlich sein, aber wer will schon für immer in einem Luftschloss sitzen und sich eingebildeter Glückseligkeit zwischen nebulöser Wolken hingeben?

Ist der Absprung erst geschafft, öffnet sich schnell der Fallschirm und die unendliche Freiheit von oben wird unten schließlich zum Periskop an Perspektiven in alle Richtungen. Und bevor wir ewig darüber nachdenken, was wir über den Wolken vielleicht doch aufgegeben haben, entscheiden wir uns lieber für einen Weg und gehen ihn steil einem neuen „Für immer“ entgegen, bis wir wieder die Spitze eines Eisbergs erreicht haben. Dann ist „Für immer“ wieder gestern und der nächste Abstieg fürwahr.

So lange aus dem Abstieg kein Absturz wird, bleibt das Leben aus diesem Grund ewig in Bewegung. Auf unserer Strecke passieren uns die anderen manchmal mit dem Flieger, auf den Pilgerstraßen oder im Eiswagen. Dann winken wir freundlich und richten den Blick lieber gleich wieder straight auf unseren Weg, der steil der nächsten Ewigkeit entgegenstrebt.

Manchmal werden in den kerzendurchfluteten Räumen vielleicht wirklich Schwüre abgelegt, die fürwahr für immer Bestand haben. Vielleicht wird dort aber einfach nur zu viel Rotwein getrunken.

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Das Glück ist eine Hure, die wandert. Und wir laufen hinterher – manche fürwahr für immer. Herz drum. Fertig.

Tell the driver this is where I’m stayin’

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Fabrice am Samstag, 28. April 2012

    Deine persönlichen Texte haben immer krass Tiefgang und man findet sich. Wie bei der anderen Bradshaw sozusagen. Man merkt, dass die Texte nicht aus dem luftleeren Raum kommen. Kompliment. Rührend, Bewegend. Fürwahr erste Sahne

  2. Gepostet von Andi am Samstag, 28. April 2012

    wow, brad. bin gerade in nem club und hab gesehen dass du gepostest hat. bringt einen fast runter vom feiern. schließe mich an: texte, die mitnehmen. applaus und jetzt feier ich weiter. Andrea

  3. Gepostet von Mira am Samstag, 28. April 2012

    Herz drum. Fertig. Besser nie zusammen gefasst.

  4. Gepostet von Brad am Samstag, 28. April 2012

    ich danke euch und verabschiede mich ins bett

  5. Gepostet von Follower am Samstag, 28. April 2012

    Coreshaker!

  6. Gepostet von Sebastian am Samstag, 28. April 2012

    Gutes Argument, das Telefon zu überhören :) *nun nachdenklich

  7. Gepostet von Brad am Samstag, 28. April 2012

    sorry, seb. hatte ‘nen run

  8. Gepostet von Milli am Samstag, 28. April 2012

    Herz drum :)

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