Bar und Elch

Friedhof der Kuscheltiere

Veröffentlicht: Montag, 25. April 2011

Man kennt das ja: In einer kinderlosen Beziehung gewinnen zu Anlässen wie Geburtstagen oder Valentinstagen geschenkte Kuscheltiere den Stellenwert von Kindern. Sie bekommen Namen, werden gekuschelt und dienen in Zeiten der räumlichen Trennung als Liebesersatz. Und wenn die Liebe den Bach hinunter gegangen ist, werden sie in dunkle Kisten gepackt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Heim ist ein Friedhof der Kuscheltiere. Genauer gesagt: der Teddys. Und anhand der Bären kann man fast die Zahl meiner Ex-Freunde oder ernst gemeinten Beziehungsversuche abzählen. Aber nur fast. Einer ist mir ganz besonders wichtig. Und der heißt einfach Bär. Den hat mir mein letzter Freund geschenkt. Zu Weihnachten. Ein Weihnachtsfest später stand ihm und mir die Quasi-Scheidung ins Haus. Merry Christmas, everybody!

Die letzten Wochen haben der Bär aus Köln und sein schwedischer Bruder, der Elch aus Stockholm, in einer dunklen Kiste verbringen müssen. Denn wie alle Scheidungskinder erinnern auch imaginäre an all das, was man am liebsten verdrängen möchte. Doch dann dachte ich mir: die armen Kinder.

Vorsichtig habe ich sie also vor dem Einschlafen wie früher an den Rand des Bettes gelegt, sie zugedeckt und darüber nachgedacht, wie schön es war. Mit dem Papa der beiden meine ich. Also mit dem anderen Papa. Tatsächlich ist der Friedhof der Kuscheltiere ein Friedhof der Erinnerungen. Und ich habe noch ein paar Leichen in Kisten. Schön, dass ich wenigstens diese last minute vor dem Verrecken bewahrt habe. Meine die Kuscheltiere – und die schönen Erinnerungen.

Sleep tight,

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