Brad Shaw American Aparell Tubesox

Frei für einen Moment

Veröffentlicht: Sonntag, 3. August 2014

Manchmal gibt es nichts Fabelhafteres als einen verregneten Sonntagmorgen, um abzukühlen. Mit der ersten Tasse Kaffee begann ich abzukühlen, und während der Computer hochfuhr, war ich bereits runter gefahren. Schmunzelnd begutachtete ich die Klamotten, die ich in der Nacht auf dem Weg von der Küche ins Schlafzimmer wahllos auf dem Boden hatte fallen lassen und ging weiter.

Es war einer dieser Samstagabende, an denen wir uns zu müde für Party und zu fit fürs Bett fühlen, uns aber für eine Option entscheiden möchten, um den Kopf auszuschalten, um bloß nicht nachzudenken. Über Sachen die schief gelaufen sind. Ich hatte mich gerade schief im Spiegel angeschaut und eine Entscheidung getroffen: Freunde statt Frustration, Drinks statt Depression – vor allem: Waka-Waka statt Whitney Houston.

Gerade habe ich die Klamotten und mich selbst vom Boden eingesammelt, mir noch einen Kaffee gekocht, mich zurück ins Sofa fallen und dazu hinreißen lassen, Whitney Houston auf die Playlist zu holen. All diese Lieder, die ich eigentlich fürchte, weil sie plötzlich laufen könnten. An Samstagabenden, an denen wir nicht wirklich wissen, wo wir mit uns hin sollen, und schließlich seufzend auf dem Sofa zurück bleiben, während vor der Tür der Partybus abfährt.

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Gestern hätte ich den Partybus fast verpasst. Beziehungsweise war es irgendwann höchste Eisenbahn, zur Haltestelle zu rennen. Ich hatte den Nachmittag am Schreibtisch verbracht und den Abend nachdenklich auf dem Sofa. Um 0.35 Uhr gab ich mir eine Ohrfeige und rannte ins Bad. Mit dem Vorsatz, nichts zu verpassen, statt zuzulassen, dass mir Whitney Houston den Abend versaut. Oder jemand anderes.

Manchmal gibt es nichts Wichtiger als einen wachen Sonntagmorgen, um sich zu erhitzen. Über Sachen, die nicht laufen. Oder anders laufen sollten. Ich war im Eilschritt zum Bus gelaufen, der mich in Altona an der Bahn absetzen sollte. Nach Stationen sah ich ein, dass das die Endtation dieses Samstagsabends war. Weil Waka-Waka wenig Spaß macht, wenn man sich nach Whitney Houston fühlt.

Also bin ich an der Landwehr ausgestiegen, mit meiner Land-unter-Stimmung zurück nach Hause gelaufen und habe mich in der Küche bei einem Drink meinem Kopf und Whitney Houston gestellt. Auf dem Weg ins Bett habe ich mich gegen 1.30 Uhr ausgezogen, mich ins Bett gelegt und bin eingeschlafen. Bis ich heute Morgen vom Regen am Fenster geweckt wurde.

Während ich gerade hier saß und schrieb, kam die Sonne hinter den Wolken hervor und spiegelte sich auf meinem Screen. Plötzlich fühlte sich „I will always love you“ gar nicht mehr so unendlich an, sondern wie das Ende eines Films, den ich gestern Abend gefahren hatte.

whitney One Moment

Ich klickte weiter auf „Greatest love of all“ und als ich bei „One moment in time“ angekommen war, wusste ich, dass ich mich richtig entschieden hatte. Für mein Gefühl. In einem bestimmten Fall war das zuletzt immer fatal gewesen, in diesem phänomenal richtig. Weil es nichts Katastrophaleres gibt als im Club zu kotzen und am nächsten Morgen einen dieser verregneten Sonntagmorgen zu verschlafen, die den Kopf abkühlen und die Gedanken ordnen. To taste the sweet, I faced the pain… Wenn das die Olympischen Spiele in Frustration waren, wollte ich keine weitere Goldmedaille mehr gewinnen…

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Ich schaltete mein Handy aus und atmete tief durch. Und in diesem Moment fühlte ich mich kurz frei.

Manchmal, wenn es regnet, muss ich trotzdem an ihn denken. Zum Glück scheint gerade die Sonne.

Waka-Waka,

kurz-unterschrift11

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