Frankfurt Dönerboot

Grüne Welle ist was für Heimatlose

Veröffentlicht: Sonntag, 4. August 2013

Manchmal überrascht uns, was in einem Jahr passieren kann. Als ich bemerkte, dass Frankfurt neben der neuen EZB noch drei weitere Wolkenkratzer am Main hochgezogen hatte, war ich zumindest ziemlich platt.

Frankfurter Skyline - King Kamehameha Club Boat

Die anderen Türme, und das ist die weitaus wichtigere Nachricht, stehen alle noch. Manchmal bleibt im Leben alles anders und manchmal alles so wie es sein sollte: verlässlich. Und genauso muss es sich anfühlen, nach Hause zu kommen.

„What the fuck is Heimat?“, schreibt Laura Büchele in der neuen „Share” (Burda). Was ist Heimat in einer zunehmend vernetzten und trotzdem anonymisierten Welt, einer Welt, die uns Mobilität und Flexibilität abverlangt, einer individualisierten und gleichzeitig globalisierten Welt?

Genau diese Frage geisterte mir im Kopf herum, als ich in den ICE Richtung Frankfurt stieg. Ein Jahr und vier Tage nach der ebenso überstürzten wie überfälligen Überführung von Hessen nach Hamburg. Ist Heimat ein bekanntes Gebäude oder ein bekanntes Gesicht? Vielleicht nur einer, der deine Sprache spricht?

Frankfurt Hauptbahnhof

„Ausgesprochen interessant, wie außergewöhnlich verinnerlichte Bilder wieder wirken, wenn sie erst aus den Augen sind“, dachte ich, während wir zwischen den Bankentürmen Richtung Westen weiter fuhren und genoss plötzlich jede rote Ampel bis zur letzten Sekunde. Grüne Welle ist was für Heimatlose. Eine Stunde später war das fast Vergessene wieder gegenwärtig. Und der Dialekt nach dem zweiten Sekt. Das Daheim-Sein kam nach dem zweiten Apfelwein. Oder wie man bei uns im Südwesten so sagt: dahaam.

Frankfurt City

Das Main-Leben ist nicht mehr mein Leben. Trotzdem fühlt es sich unglaublich vertraut an. Wie ein eingetragener Maßanzug oder die Zugstrecke zwischen Franfurt-Süd und Frankfurt/Hauptbahnhof. Wie ein Lieblingslied oder eine alte Liebe. Wie ein Sommertag mit Blick auf die Skyline. So lag ich den ganzen Abend am Wasser und schaute auf die blauen Wellen. Irgendwo zwischen Museumsmeile und Mainufer. Zwischen dem Dönerschiff mit Börek für drei Euro und dem Party Boat mit Bacardi für neun. Zwischen all den fabelhaften Freunden, die ich fast nur noch als Facebook-Fotos und Instagram-Telegramme wahrgenommen hatte.

Frankfurt Freunde

Plötzlich wusste ich, was Heimat ist. Es ist das Gefühl, dort abgeholt zu werden, wo du abgefahren bist. Immer wieder. Am gleichen Gleis.

Never forget where you’re coming from,

Brad Unterschrift

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