HSV Trikot

Vorsicht, Fassade: Mein Leben ist das Chaos, schaut mal genauer hin

Veröffentlicht: Sonntag, 13. April 2014

Ich treffe Tom einem Café in der Innenstadt. In mir drin ist die Regenzeit lange nicht ausgestanden, nach außen herrscht wieder eitel Sonnenschein. Scheinbar habe ich mich an diesem Nachmittag befreit. Von allem, was mich benebelt, bekümmert und bedrückt. Ich spare mir das obligatorische Drücken und lasse mich betont unbekümmert in den Sessel fallen. Denn in einer Nacht-und-Nebel-Aktion habe ich beschlossen, Schluss zu machen.

Während ich Tom erzähle, wie stark und unabhängig ich mich seither fühle, fällt mir auf, dass ich mir damit vor allem selbst etwas vormache. Weil er immer noch so viel Macht über mich hat. Es ist komisch zu merken, wie man sich verändert. Wie man seinen Fokus verliert und irgendwann sich selbst. In irgendwas, das sich irgendwie gut anfühlt. Zumindest an einem Abend pro Woche.

Will sagen: So manches Mal habe ich mich in wachen Momenten später nachts unter der Decke gefragt, warum ich das alles überhaupt mit mir machen lasse; warum ich immer wieder einlenke, wenn ich eigentlich aussteigen sollte, könnte, müsste; warum ich gerade wieder die Augen geschlossen und einfach geküsst hatte, statt kühlen Kopfs ein Machtwort zu sprechen. Zumeist verschloss ich lieber die Augen und kuschelte mich an seine Brust.

HSV Trikot neu

Doch dieses Mal hatte ich jemand anderen geküsst. Kurzum: Ich tat, was ich tun muss, um mich zu benebeln. Mein Enthusiasmus hielt tatsächlich volle 137 Minuten. Bis zum Orgasmus – plus die Zeit, die ich damit verbringe, Tom zu berichten, wie ich wieder von „zero to hero“ gekommen bin. Angeblich. Dabei schmeckte der Nachmittag in der neu entdeckten Unabhängigkeit genauso wie Coke Zero: zuckerfrei. Irgendwie nach Süßstoff. Obwohl der blonde Typ mit den blauen Augen und den Hammerarmen richtig süß war.

Wahr ist, dass ich den blonden Typ mit den blauen Augen und den Hammerarmen nur gedatet habe, um den blonden Hammertyp mit den blauen Augen, den Hammerarmen und der Bulls-Cap zu vergessen. Um mittels Sinnlichkeit wieder zu Sinnen zu kommen und an diesem Sonntag wenigstens für 137 Minuten plus angeschlossenem Kaffee auf eitel Sonnenschein machen zu können. Doch wo war hier der Sinn? Es war die blondeste Aktion ever!

Das ist die große Macht der Liebe: Sie lässt uns Dinge tun, die wir sonst nicht tun würden. Für sie oder gegen sie. Aber immer in ihrem Namen.

Wir lagen noch eine Weile im Bett und haben uns unterhalten. Über Städte, über Jobs, über Blogs. Er zumindest hat mir augenzwinkernd abgenommen, dass ich ihn aus Recherchezwecken gedatet habe. Weil es ja völlig unsinnig sei, einen Dating-Blog zu betreiben, und nicht zu daten. „Dann hast du ja jetzt was was zum Schreiben“, hat er gesagt. Mit einem Lächeln, das Mauern einreißen würde. Nur nicht meine. Meine Blog-URL habe ich übrigens nicht verraten. Nur mich selbst.

Da sitze ich nun und erzähle Tom, Jörn und Anna von meinem Sonntagnachmittag. Und zwei davon meinen jetzt, ich wäre stark.

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Dann gibt es diese Menschen, die dich durchschauen, ohne dass du sie zuschauen lässt. Wie du dich vor der Party mit drei Drinks höher als die Decke pitchst, um die hellen Lichter in deinen Augen anzuknipsen. Wie du dich nach der Party gar nicht runterfahren musst, weil du an diesem Abend nie oben warst. Wie du dich später unter der Decke wälzt, weil du dir in diesem Zustand nicht gefällst. Wenn die Augen tränen, sobald das Licht ausgeknipst ist. In Momenten, in denen das Sein den Schein wieder trübt, merkst du, wie sinnlos es ist, dich selbst zu betrügen. Und Freunde kannst du sowieso nicht belügen.

Diese Nächte habe ich in letzter Zeit oft neben Tom im Bett verbracht. Zumeist sechs Tage pro Woche. Und ihr denkt, ich hab alles im Griff und kontrollier’ was geschieht? Mein Leben ist das Chaos. Schaut mal genauer hin,

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