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Ex-Freunde und Wix-Vorlagen

Veröffentlicht: Donnerstag, 5. November 2015

Der Unterschied zwischen Beziehungen und Nicht-Beziehung ist folgender: Während dich deine Ex-Freunde auch Jahre nach dem Aus noch immer erheitern, ermutigen und vor allem halten, ist die Gefahr, unangenehm über deine ehemaligen Nicht-Beziehungen zu stolpern, dafür umso größer. Jüngstes Beispiel: beim Vorlesen.

Bevor ich mich auf die Lesung zu „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck“ vorbereitete, war mir gar nicht bewusst, welch ein abartiger Zungenbrecher „Max Patzke“ ist.

OuttakesOuttakes des “Probelesens”. Danach datet mich keiner mehr… Who cares!

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Dienstag, 3. November 2015

 

Und dennoch hat es Max zur Literaturvorlage geschafft, die auf vielen Seiten ohne viel Fantasie wie eine Wix-Vorlage wirken muss – besonders auf Menschen, die auf prollige Jungs mit dicken Armen und Fußballerbeinen stehen.

Den Grund dafür habe ich bereits erläutert: Während des Schreibens an dem Buch gab es niemanden, an den ich häufiger gedacht habe als an Max. Also macht die Widmung irgendwie Sinn. Irgendwie aber auch nicht. Denn wenn ich heute darüber nachdenke, hätte jeder meiner Ex-Freunde es eigentlich mehr verdient, zur Literaturvorlage zu werden. Nebeneffekt: Jeder der Jungs wäre viel leichter vorzulesen – und keine Stolperfalle im wahren Leben gewesen.

Und dann war da diese EINE Widmung, die schwerer zu formulieren war, als alle anderen … #lovewww.FrauSteinbeck.de

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Sonntag, 26. April 2015

 

Heute habe ich darüber nachgedacht, wie das Buch klingen würde, wie die männliche Hauptperson wäre, hätte ich „Frau Steinbeck“ in einem beliebigen anderen Jahr seit 1995 geschrieben. Deshalb hier eine Auflistung meiner Ex-Freunde als Hauptpersonen in diesem Buch – in Random-Reinfolge und mit leicht abgewandelten Namen, was übrigens auch für „Patzke“ gilt:

Simon Stern: Wäre Simon die männliche Hauptperson, wären regelmäßige Streitereien mit Désirée vorprogrammiert, allerdings auch ebenso schöne Versöhnungen. Statt ständig auf dem Bizeps rumzureiten, wäre mehr von Hammerbeinen und einem krassen Hintern die Rede gewesen. Die beiden hätten sich zwar getrennt, im hinteren Teil des Buches aber ernsthaft darüber nachgedacht, ob das nicht ein Riesenfehler war. Übrigens würde die Hauptperson keine Trikots, sondern Hemden tragen. Sie wäre natürlich Lehrer für Wirtschaftslehre.

Tobias Friedrich: Wäre Tobi die Hauptperson, hätte Désirée von Tag 1 an viel mehr Zeit mit ihrem Gegenpart verbracht. Das Ende wäre extrem tränenreich geworden, dafür hätte ich eine extrem partnerschaftliche Beziehung davor gestellt. Statt von Oberarmen hätte ich mehr von Brustmuskulatur und Waden geschrieben. Außerdem wäre der Sportlehrer privat Basket- nicht Fußballer – und die meiste Zeit in kurzen Hosen und irgendwas von Nike unterwegs.

Mark Käfer: Wäre Mark die Hauptperson, beruhte die Beziehung der beiden Hauptprotagonisten vor allem auf völlig gleichgelagerten Interessen. Deshalb hätte es sehr schnell gefunkt. Der Hauptprotagonist wäre fast professioneller Handballer, doppelt so groß wie Désirée (mit Heels) und hätte, weil es nicht nur das Klischee so will, einen extrem liebenswerten, weichen Kern. Er wäre Deutschlehrer mit Nebenfach Sport.

Ben Hilton: Die Freizeit von Désirée und ihrem Kerl hätte wegen extrem gleichem Seriengeschmack vor allem auf gemeinsamen Couch-Abenden beruht. Außerdem wäre immer wieder von diesem unglaublich schönen Lächeln die Rede gewesen, weniger von Armen, das aber auch. Definitiv würden die beiden gemeinsam nach Paris, nicht nach Hamburg reisen. Wir hätten definitiv wieder einen Sportlehrer, alternativ einen Arzt, als Lover, allerdings einen, der privat eher Upper-Class-Sportarten beitreiben würde. Tennis und Hockey.

Tobi Stolze: Wäre Tobi die Hauptperson, wäre die Hauptperson unglaublich süß und einfach ein Typ zum Pferde stehlen. Und es wäre auf jeder Seite von diesen unglaublich krass schönen Augen die Rede. Außerdem wäre Désirées Typ ein Polizist, der regelmäßig an der Geschwister-Scholl-Schule zu tun hat, vielleicht um Verbrecher zu stellen, vielleicht auch für die Verkehrs-Erziehung. Denn ich habe nie jemanden gedatet, der in Uniform heißer aussah. Will in meinem Fall übrigens wirklich was heißen.

Matthias Seidel: Wäre Matze die männliche Hauptperson, hätten er und Désirée vor allem viel, viel Spaß miteinander. Sie würden eigentlich permanent miteinander lachen, mitten in der Nacht zusammen kochen und dann den halben Tag verpennen. Mehr noch als bei Max wäre im Buch immer wieder von einer extrem tiefen, erotischen Stimme die Rede. Die käme an der Schule vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern zum Tragen. Matze wäre ein Oberstudienrat mit Doktortitel.

Frank Lauer: Mit Frank als Hauptperson hätte die Rahmenhandlung diesen Erste-Grosse-Liebe-Flair. Er wäre auch eine von drei weiteren Möglichkeiten, die männliche Hauptperson zum Mediziner zu machen. Sie wäre dann der Doktor, der die Praxis um die Ecke der Geschwister-Scholl-Schule führt. Auf jeden Fall wäre immer wieder die Weltgewandtheit und der große Intellekt von Désirées Lovers betont worden, ebenso wie die stahlgrauen Augen, die mir noch heute Gänsehaut machen.


Celine Dion – Because You Loved Me

Aus all diesen Gründen hoffe ich, dass meine Ex-Freunde ihre Entsprechungen, und wenn nur in der Erwähnung von Namen, in „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck“ gefunden haben. Weil ich sicher weiß, dass mindestens fünf davon hier regelmäßig mitlesen, und mich so gut kennen, dass sie ganz genau wissen, was geht, wenn sie auf dem Blog bestimmte Sätze lesen:

Im Herzen widme ich euch allen dieses Buch, weil ihr meine Leidenschaft für das Schreiben jeder zu seiner Zeit mitgetragen habt. Weil ihr mit mir auf unzählige Pressetermine gegangen seid; euch nicht daran gestört habt, dass ich manchmal einfach ewig am Schreibtisch sitzen und texten muss; weil ihr mir noch heute Facebook-Messages schickt, wenn euch ein Text auf diesem Blog bewegt, weil einer der Anlass für diesen Blog war – und ich den anderen nie kennen gelernt hätte, hätte er mir nicht mal einen Leserbrief geschrieben.

Was uns das sagt: Lasst die Wix-Vorlagen in der Literatur – im wahren Leben braucht es Partner. Und das ist viel wertvoller. Ihr seid alle tolle Typen – und zumindest darauf kann ich mir einen runter holen.

Seit nett zu euren Ex-Freunden. Immer!

Herz drum,

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