Uni - Semsterbeginn

Frischfleisch auf dem Campus: Endlich, die Erstis kommen!

Veröffentlicht: Dienstag, 4. Oktober 2011

Ich hatte gerade die Zulassung für das Publizistik-Studium in Mainz aus dem Briefkasten geholt, da erreichte mich der Ruf. Der Ruf von RTL2! Das Popstars-Casting in der Frankfurter Discothek „Loft House“ sollte ich trotzdem nur auf Planet Radio mitverfolgen – weinend. Also ging ich studieren… Und was für alle Erstis gilt, galt auch für mich: Ich war hot – und Frischfleisch! Willkommen auf dem Campus, Dudes!

Und es war Sommer, Sommer 2001. Anfang des Jahres hatten die „No Angels“ für die Pop-Sensation des Jahres gesorgt (Video HIER). Und jetzt suchte Detlef D! Soost nach den Brüdern und Schwestern, die bald als „Bro’Sis“ die Charts stürmen sollten (Video HIER). Hätte ich just an diesem Tag nicht mit Grippe im Bett gelegen, wäre ich vielleicht Brother statt Blogger geworden. Eben einer dieser Schwachsinnigen mit Migrationshintergrund und Randgruppenzugehörigkeit. Wenigstens die Quotenschwuchtel.

Hauptsache im Fernsehen?!

Tragischerweise hatte ich meine letzten Hoffnungen wirklich auf RTL2 gesetzt. Noch kurz vor dem Abitur gab ich stets ungefragt als Lebensziel an, Popstar zu werden. Oder Model. „Hol de Radio“ – Hauptsache im Fernsehen und im Radio! Retrospektiv gesehen ersparte mir das Fieber allerdings, mich später wie Indira Weis, Ross Antony oder gar Sarah Dingens-Knappik im Dschungelcamp prostituieren zu müssen. Andererseits hätte ich schon gern erfahren, wie Känguru-Hoden schmecken… Und wie Jay Khan küsst!

Ab an die Uni!

Nach der Grippe die Ernüchterung: Statt mit exotischen Knabbereien und Schampus-Rausch begann mein erstes Semester mit schlechtem Mensa-Essen und der Einsicht, dass das Überleben an der Uni gesellschaftlich gesehen mindestens genauso anstrengend ist wie das Popstars-Bandhaus: Verbündete finden, trotzdem aus der Masse heraustreten und unter Leistungsdruck abliefern.

 

Be popular, be SPECTACULAR!

Neben der Pflicht gilt es, sich eine soziale Existenz aufzubauen. Aus diesem Grund lernen Erstis die Regeln des „Mikrokosmos Campus“ stets schnell. Im Grunde unterscheidet sich dieser nicht sonderlich von anderen Tummelplätzen paarungswilliger Jungerwachsener. Mal vom Umstand abgesehen, dass man misslungen Dates schon in einer durchschnittlich gut besuchten Germanistikvorlesung besser aus dem Weg gehen kann als im Großraumbüro des beeindruckendsten Redaktionshauses.

Regel Nummer 1: Geisteswissenschaftler, die wenigstens in Freistunden attraktive Menschen sehen wollen, gehen bei den BWL-Studenten und Juristen essen.

Regel Nummer 2: Niemals auf Sportler-Partys reinfallen, die in Wahrheit nicht mehr als geschickt vermarktete Physiker-Partys sind.

Regel Nummer 3: Vermeide, mit WG-Mitgliedern schlafen. Außer es handelt sich um angehende Sozialpädagogen. Mit denen lassen sich alle Folgeprobleme im angedeuteten Sitzkreis nämlich unkompliziert aus der Welt diskutieren. Nicht zu vergessen ist das Erlernen von Demut. Wer auf dem Schulhof gerade noch King war, wird schnell feststellen, dass er auf dem Campus weniger später lediglich einer von Tausenden Erstis ist. Das gilt umso mehr im Frischling-Rekordjahr 2011.

Erstis: Frischfleisch und absolute Beginner!

Den Status eines absoluten Beginners (yo, Jan Delay!) weiß man erst mit Abstand zu schätzen. Manchmal gehe ich zu Semesterbeginn zurück an die Uni und tue so, als suchte ich einen Seminarraum. Einfach, um mal wieder dieses unglaublich gute Gefühl zu haben, selbst Frischfleisch zu sein. Sind wir doch mal ehrlich: Sobald wir nach dem Abschluss in der glücklichen Situation sind, nicht mehr erschöpft auf das nächste Semesterende warten zu müssen, fiebern wir dem Beginn der nächsten Vorlesungszeit umso sehnsüchtiger entgegen.

Ohne Tasche keine Competition!

Warum? Weil die Stadt dann weder voller junger, attraktiver Menschen ist, die neben dem Lernen unterhalten und gecastet werden wollen. So wie ich 2001. Oder wie Denise Dahinten 2007. Denise studierte Facility Management an der Technischen Hochschule Mittelhessen, bevor sie in der zweiten Staffel „Germany’s next Topmodel“ unbeholfen über Heidi Klums Laufsteg stöckelte und mit dem Wahlspruch „Ohne Tasche keine Competition!“ TV-Kultstatus erlangte (Video HIER)!

In diesem Sinne, liebe Erstis: Packt eure Taschen und kommt gut im akademischen Alltag an. Sollte es mit der Uni-Karriere nicht klappen, werdet einfach Model. Denn Regel Nummer vier besagt: „Models kriegen ihre Taschen umsonst!“

Ich habe im ersten Semester übrigens einen Gießener Sportstudenten gedatet (mehr HIER). Na, neidisch?

Stay fashionable,

mehr Models: Mario Galla hat seine Biographie veröffentlicht – mehr HIER!

Literatur für Schlampen – lesen macht Spaß… – mehr HIER!

Mehr Trash TV- HIER!

Note: Das Titelbild stammt vom Fotograf Michael Luttenberger.

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