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Ernüchterung: Das Leben… ist nicht immer fabelhaft

Veröffentlicht: Samstag, 27. September 2014

Mal zurück zu den Wurzeln dieses Blogs, wenn ihr wollt zur Triebfeder, die ich 2010 unbedingt brauchte, als ich am zweiten Weihnachtsfeiertag eiskalt in den täglichen Single-Wahnsinn zurückfiel – und das irgendwie heiß finden musste. Aus Überlebenstrieb.

Zurück also zum Motto „Single & Fabulous“, das in meinem Schlafzimmer, welches übrigens auch mein Arbeitszimmer ist, gerade wieder so sehr auf dem Prüfstand steht wie das iPhone6 in der Welt da draußen. Weil „Sex and the City“ mir jeden Tag abverlangt, mich mit der Frage auseinander zu setzen, ob dieser Zustand wirklich fabelhaft ist – oder fatal.

Nicht, weil ich unbedingt eine Beziehung zum Glücklichsein brauche, vielmehr, weil Glückseligkeit Schwankungen unterliegt. Drum prüfe, wer sich ewig bindet – und umso genauer, wer sich nicht bindet. „Single & Fabulous“ – folgt darauf fraglos ein Ausrufungszeichen, oder eben doch ein ganz großes Fragezeichen?

Das Posting der offiziellen „Sex and the City“ Facebook-Fanpage zum amerikanischen Tag der Interpunktion hat mich gerade wieder daran erinnert:

 

Ich kam nicht umhin mich zu fragen: In einer Stadt, in der wie in Hamburg fast zwei Millionen Menschen leben, viele davon Single und auf der Suche – ist es da wirklich möglich, gleichzeitig Single und fabelhaft zu sein? Oder schließt es sich sogar aus, weil jemand, der in einem Pool von Tausenden fabelhaften Singles allein ist, selbst nicht so fabelhaft sein kann?

Inzwischen bin ich seit ziemlich genau zwei Jahren solo. Ironischerweise war ich vor meinem Umzug nach Hamburg nie länger nicht in einer Beziehung als 18 Monate. Man könnte meinen, dass der Umzug in eine Metropole voll von attraktiven Menschen zwangsläufig dazu führt, dass die Intervalle zwischen dem Ende der einen und dem Anfang der anderen Beziehung sich allein aufgrund der Verfügbarkeiten im allgegenwärtigen Single-Pool verkürzen. Tun sie aber nicht.

Das liegt vor allem an besagter Verfügbarkeit anderer Singles, die jeder für sich auf der Suche nach Verbindlichkeit sind, aber eben jeden Tag auch der Versuchung ausgesetzt. Eigentlich ist es das Mehr, das die Suche erschwert. Schließlich hat man so viele Optionen. Tragischerweise zählt insgeheim nur eine: das Optimum.

Im Meer der Unperfekten, zu denen wir selbst zählen, fischen wir also nach Perfektion; nach dem Märchenprinz mit dem perfekten Job, dem perfekten Haus, den perfekten Oberarmen, der uns obendrein in all seiner Perfektion nicht langweilen soll. In Samstagnächten im Club führen wir uns deshalb auf wie verwöhnte Kinder im Spielzeugladen – oder die Ilsebill aus dem Märchen vom Fischer und seiner Frau: nie zufrieden. Bis wir wieder in einem Bett voll von nichts aufwachen, oder sogar mal allein.

 

Es ist das Gefühl, dass um die Ecke die perfektere Version von Perfektion warten könnte, das Großstadtsingles die Suche nach Erlösung im Landhausstil erschwert. Und in ganz ehrlichen Momenten würden die meisten „Single & Fabulous“ mit einem dicken Fragezeichen beenden.

In Wahrheit ist es nämlich ziemlich anstrengend, sich auf Dates immer wieder der Herausforderung zu stellen, gut auszusehen, intelligente Sachen zu sagen, seine Unabhängigkeit zu betonen und dennoch durchblicken lassen, dass man prinzipiell bindungswillig ist. Natürlich nur latent. Nur für den Fall, dass man mal wieder auf einen bestechend gutaussehenden Beziehungspaniker trifft, in den uns das „Single & Fabulous“-Leben in der Großstadt durchaus verwandeln kann.

Single zu sein kann sich frustrieren bis desillusionieren anfühlen. Ich musste erstmal kapieren, dass Verfügbarkeit nicht gerade Zufriedenheit ausmacht – nach einem fabelhaften Filterprozess, bei dem ich irgendwann bei meinem Mister Big gelandet bin. Heute bin ich weit davon entfernt, „Single and Fabulous“ mit einem Ausrufungszeichen zu beenden. Weil ich weiß, dass es zwischen all diesen perfekten Partnern da draußen das eine Optimum gibt. Den, der mich sogar mit all seinen Fehlern begeistert.

 

„Single & Fabulous“ ist ein Trostpflaster, das Menschen ziemlich gut durch die Strecken zwischen dem Ende der letzten Beziehung und dem Beginn der neuen bringt – bis sie es wieder abstreifen wollen. Genau an jenem Punkt, an dem sie den einen treffen, der diesen Lebensentwurf auf den Prüfstand stellt. Jeden Tag.

In ganz ehrlichen Momenten würde ich das alles, was ihr hier lest, gegen ein langweiliges Leben auf dem Land eintauschen. Ohne serielle Dates, Verfügbarkeiten und Versuchungen, dafür mit Mister Big und dem Versprechen auf jene Perfektion, auf die „Single and Fabulous“ wirklich abzielt – die Hochzeit nach Serienende. Vorgestern bin ich wieder neben ihm aufgewacht und habe darüber nachgedacht, wie schön es wäre, „Sex and the City“ gegen „Max and the Country“ einzutauschen.

Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich längst damit begonnen, mich mit einem Leben in Schleswig-Holstein anzufreunden. Immer, wenn ich „Single & Fabulous“ lange genug gespielt und im Kopf durchgespielt habe, um zu verstehen, dass ich in Wahrheit immer der nette Junge vom Land sein sein werde. Man darf sich von der Großstadt von Verfügbarkeiten und Unverbindlichkeiten nur versuchen, aber nie verderben lassen – bis man am Ende seiner Suche angelangt ist. Zumindest in einem Lebensbereich.

Herz drum, fertig.

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