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Bildungswerk der Zeitungen: Blogg dich hoch!

Veröffentlicht: Samstag, 25. Mai 2013

Liebe Volontäre,

im Raum steht die Frage, wie ihr erfolgreich bloggt, vielleicht sogar, warum ihr überhaupt bloggen solltet. Die erste lässt sich nur schwer, die zweite nur sehr individuell beantworten. Denn wenn ihr euch ins Gedächtnis ruft, dass die unmittelbar messbaren Zugriffszahlen auf eure Seite primär etwas über die Quantität der Besucher, nicht aber über ihren Umgang mit eurem Content aussagen, wird „Erfolg“ schnell aus vielen Perspektiven betrachtet sehr relativ. Schauen sie sich nur Bilder an? Lesen sie Texte, um sich zu amüsieren? Klicken sie auf Links zu Online-Shops und kaufen im besten Fall sogar ein Designer-Shirt?

Warum bloggen?

Wenn ihr bloggt, demonstriert ihr bereits, dass ihr offen für neue Medien seit, dass ihr wisst, wie Kommunikation im Internet funktioniert, dass ihr Content Management Systeme bedienen könnt, und dass ihr euch mit Freude im Netz bewegt. Dass mag besonders dann attraktiv sein, wenn eure Zeitung nicht die Möglichkeit bietet, sich wirklich intensiv und permanent mit Online-Journalismus zu befassen. Hilfreich ist, sich nebenbei mit Suchmaschinenoptimierung (SEO) zu befassen. So erreicht eure Arbeitsreferenz potenziell mehr Leute zufällig.

Ihr bewerbt euch auf Stellen, die Kenntnisse im Online-Texten und in Social Media verlangen? Dann ist das Blog eure Visitenkarte.

Was bloggen?

Sicherlich bewegen sich die meisten Blogs irgendwo in einem Kontinuum zwischen Kunst und Kommerz. Zwangsläufig wird der Schreiber seinen Erfolg zuerst an seiner eigenen Intention messen.

Kunst: Ihr nutzt das Blog primär, um euer Profil als Autor zu schärfen, denn ihr schreibt tolle Texte und wollt sie möglichst weit streuen – was durch die optimierte Anbindung eurer Seite an Soziale Netzwerke wie Facebook möglich ist. Bis sie vielleicht von anderen Medienmachern, Mitarbeitern der Unternehmenskommunikation großer Konzerne oder von Buchverlagen entdeckt werden. Da sitzt dann einer, der sagt: „Er / Sie ist genau der / die Richtige für unsere Redaktion / unsere Abteilung / für unser nächstes Buch. Weil er / sie genau die Schreibe hat, die wir suchen!“ Alle drei Fälle sind bei mir bereits eingetreten.

Kommerz: Ihr nutzt das Blog primär, um den Verkauf schöner Dinge anzukurbeln. Zum Beispiel Schuhe oder Shirts. Deshalb bemüht ihr euch, weniger persönlich und markant zu schreiben, dafür zielgruppenorientiert und vielleicht auch ein wenig gefällig. Wenn ihr irgendwann immer mehr Lesern erfolgreich mitteilt, welche Sneakers ihr euch gerade gekauft habt, schreibt vielleicht ein großer Online-Shop, eine PR-Agentur oder besser gleich der Hersteller eine Mail, ob ihr euch eine Kooperation vorstellen könntet. Ja, klar! Das war auch in meinem Fall so. Ich kenne (Mode-)Blogger, die ihr Hobby inzwischen zum Beruf gemacht haben, und zwischen New York und Berlin von Fashion Week zu Showroom reisen, um ihr Geld mit Advertorials zu verdienen. Erfolgreich.

Wie bloggen?

Am Ende dreht sich alles primär um die Freude an der Sache. Denn euer Blog wird nicht schon nach einer Woche 500 Leser pro Tag zählen. Das kann frustrierend sein. Sehr frustrierend. Denn wir Journalisten wollen ja immer die größtmögliche Reichweite für die Ergüsse unseres Kopfes erreichen. Und wir sind eitel! Umso mehr sind Durchhaltevermögen, Qualität und Networking gefragt: Gastbeiträge auf Blogs von Freunden, um euch die wichtigen Backlinks zu besorgen, die eure Posts wiederum bei Google steigen lassen. Beiträge über Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und eure Links teilen. Kommentare zu Beiträgen auf anderen Blogs / Seiten um eure Sichtbarkeit zu erhöhen.

Nach einem Jahr hatte ich die Zugriffszahlen (Unique Users) meines Blogs immerhin auf fast 40000 / 50000 pro Monat getrimmt. Und als ich in Folge meines Umzugs nach Hamburg acht Monate lang lieber die Stadt und ihr Nachtleben erkunden ging, als abends allein am PC abzuhängen, rächte sich das massiv. Sie waren während dieser Zeit um ein Zehntel gefallen! Und jetzt hole ich mir die Leser zurück. Zum Beispiel euch, weshalb ich diesen Beitrag natürlich auf meinem Blog und nicht in einer E-Mail verfasst habe.

Warum keine Angst vorm Bloggen haben?

Die Oberfläche der meisten Content Management Systeme, ich arbeite mit WordPress, sehen aus wie ein Word-Dokument. Ihr könnt Texte färben, Passagen kursiv oder fett anzeigen lassen usw. Darüber hinaus findet ihr zusätzliche Funktionen:

Bilder einfügen: Achtet darauf, dass ihr eure Fotos vorher in einer einheitlichen Größe beschneidet. Das sieht ordentlicher aus.

Videos einfügen: Möglichst die selben Abmessungen einstellen wie bei den Bildern. Ganz nett, um Texte zu untermalen. Warum dreht ihr nicht selbst ein Video mit dem Smartphone? Einfach auf euren YouTube-Channel hochladen und im Text einbetten.

Links setzen: Wörter, Sätze und Passagen lassen sich mit Links unterlegen – zu eigenen Texten oder externen Seiten. Wichtig ist, dass mit der Zeit auch Leute auf euer Blog verlinken (Backlinks). Das steigert Reichweite und Google-Ranking.

Wendet einfach an, was ihr im Print gelernt habt. Eine gute Zeile und ein Eyecatcher-Foto (Vorsicht vor der Bild-Text-Schere) sind bereits die halbe Miete. Solltet ihr das Blog benutzen, um euch im klassischen Online-Journalismus zu profilieren, schreibt bewusst netzgerecht: knackige Teaser, Text mit Zwischenüberschriften strukturieren ect. Das ist auf Bradsticks übrigens weniger relevant.

Warum Bradsticks.com?

Ich habe mein Blog begonnen, als ich nach einer schwierigen Trennung wieder frisch frustriert auf dem Singlemarkt ankam. Und ich so zu mir: „Du bist 30, Single, leicht frustriert und hast fast so viele Schuhe wie Loser gedatet! Du bist Carrie Bradshaw!“

Also begann Bradsticks („Brad sticks to bad romances“) sozusagen als „Sex and City“-Klon mit „Geschichten aus dem wahren Single-Leben“, was auch meinen „Künstlernamen“ Brad Shaw erklärt. Ich habe mich übrigens schnell dazu entschieden, den Arbeitstitel „Bad Romance” wieder zu verwerfen. Beim Googeln sollen die Leute schließlich mich und nicht Lady Gagas Videos finden.

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Dass das Ding irgendwann mal erfolgreich werden sollte, war überhaupt nicht geplant. Zuerst sollte es zwei Zwecke erfüllen:

  1. Ventil und Selbsttherapie nach blödem Beziehungsende. Nach dem Motto: Schreib’s dir von der Seele. Und mach dich selbst zur Marke!
  2. Kreative Spielwiese, weil wir bei der täglichen Arbeit in den Redaktionen doch vielen Zwängen und sprachlichen Konventionen unterworfen sind, und uns nach ätzenden Tagen mit schwierigen Interviewpartnern, immer zu langen dpa-Reportagen und Terminen bei den Kaninchenzüchtern manchmal die Lust an unserem Kerngeschäft zurückholen sollten: am Schreiben!

Mit Erfolg meine ich vor allem, erst einmal eine Leserschaft zu finden, die den Shit aus meinem Kopf konsumierte und mit den Texten interagierte – lange bevor die Kooperationen mit Coca Cola, Zalando, Models wie Christian Deerberg oder Online-Shops wie Spicystyles ins Rollen kamen. Bis dann auch die Einladungen zu Fashion Weeks und Galaveranstaltungen eintrudelten, die ich wegen des festen Jobs selten annehmen konnte, brauchte es viele Monate nächtlichen Schreibens.

Mit dem Erfolg kam eben auch der Ehrgeiz. Es dauerte ein wenig, bis ich begriffen hatte, dass man sich von manchmal mittelmäßigen Zahlen bei Google Analytics nicht den kompletten Tag versauen lassen darf. Zum Glück hängen die Leute ja nicht nur im Internet ab. Sonst gäb’s keine Dates und keine neuen Geschichten für Bradsticks.

Warum Brad Shaw?

Ich glaube, um erfolgreich zu bloggen, braucht das Blog ein klar erkennbares inhaltliches Profil. Auf meinem geht es im Grunde noch immer um Geschichten rund ums Dating und meine Alltagserlebnisse (Brad’s Diary), die übrigens immer wahr sind – manchmal böse überspitzt und manchmal schamvoll untertrieben. Das ist dann künstlerische Freiheit. Im Schnitt also authentisch.

Um Reichweite und kommerzielles Potenzial zu erhöhen, habe ich irgendwann Kategorien wie Mode, Musik oder Fernsehen aufgenommen, wobei ich immer darauf geachtet habe, diese „Fremdthemen“ mit Single-Themen zu verknüpfen. Was trage ich zum ersten Date? Was ist der Soundtrack für den perfekten Sex, sollte er vorsätzlich geplant sein? Bin ich so verzweifelt wie die Leute bei „Schwiegertochter gesucht“?

Es sind diese Individualität und Authentizität, die euer Blog erfolgreich machen könnten. Denn wenn ihr nach Dienstschluss über die Brüderle-Debatte schreibt, habe ich mindestens schon im Stern darüber gelesen und sitze bereits mit einem Politiker an der Hotelbar. Aber wenn ich euch tight finde, werde ich euren Kommentar dazu sicherlich auf dem Heimweg in der Bahn lesen.

Warum Authentizität?

Wenn ihr euch Partner sucht, egal ob ihr nur Publikum und Reichweite steigern, oder ob ihr über Advertorials und Werbebanner sogar Geld verdienen wollt, schaut, dass sie zu euch passen. Denn wer sich wahllos mit allem paart, was mal im Fernsehen war, oder was sich eine PR-Agentur leisten kann, verliert erst seine Authentizität, dann seine Credibility und ganz schnell seine Leser, die Multiplikatoren.

Ich habe vor allem mit Modefirmen, Vertretern von Lifestyle-Produkten, Dating-Coachs, Models und anderen Journalisten gearbeitet. Das hat gepasst. Blog-fremde Themen, z.B. für Kooperationen, habe ich einfach modifiziert. Zum Beispiel zum „Coca Cola Fanfieber“ zur Euro 2012: „Wer ist der heißeste Typ auf dem Platz?“ Prinz Poldi oder doch Cristiano Ronaldo?

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Ich habe mich bewusst dazu entschieden, die Linie des Single-Bloggers mit teils sehr expliziter Sprache durchzuziehen. Das heißt nicht, dass ich handwerklich nicht viel breiter aufgestellt bin. Bei meinem aktuellen Job bei einer Frauenzeitschrift habe ich einen ganz anderen Duktus. Meine Tageszeitungstexte haben ebenfalls nur wenig mit meinem Blog gemein. Meine Maßgabe beim Bloggen ist immer, vermeintlich niveaulose Themen („Ich liebe deine Eier“) sprachlich und inhaltlich so niveauvoll aufzubereiten und mit einer derart niedlichen Botschaft zu versehen, dass weder ich, noch der Leser sich schämen müssen. Trotzdem: sexy sells!

Mit dieser Konsequenz habe ich mir Türen verschlossen – ich werde sicherlich nie wieder für Zeitschriften meiner Landeskirche arbeiten – und ganz andere geöffnet. Denn jeder Job braucht eine andere Sprache und einen anderen Typ. Und manchmal passe ich genau da rein. Und manchmal eben nicht. Ich meine: Lieber für wenige Menschen sehr interessant als für viele Menschen genauso interessant wie alle anderen auch. Aber das ist eben eine Glaubensfrage – und eine des Self-Brandings. Nutzt eure Blogs deshalb auch, um Vielfalt zu zeigen: Kolumnen, Reportagen und Kommentare, lyrische Texte oder „Ticker-Protokolle“ beim Speed-Dating – und kein Chef, der redigiert. Traumhaft! Viele der Kolumnen zu verschiedenen Themen sind inzwschen übrigens abgedruckt worden, bzw. hat der Blog mir Jobs als freier Kolumnist in Print und Online eingebracht.

Warum Stilecht?

Der Inhalt des Blogs spiegelt sich natürlich in der äußeren Form und darf ständig weiter entwickelt werden. Als ich nach den Zeitungen den Job bei einer Zeitschrift anpeilte, änderte ich vor dem Bewerben das Layout von Newsfeed auf Magazin und tauschte den Ghetto-Gangster-Header gegen Lifestyle-Chick-Chic aus. Gleichzeitig bezog ich mehr Themen ein, die klassischerweise in Zeitschriften gefahren werden.

Begreift das ganze Projekt als Gesamtkunstwerk mit Spaßfaktor. Die meisten Fotos haben Freunde gemacht, Gleiches gilt für die Layouts oder für Aktions-Header wie „Street Styles“ oder „Coca Cola Fanfieber“. Und Spaß hatten wir immer. Eure Freunden freuen sich sicher, einbezogen zu werden, und sie sind die ersten Multiplikatoren.

Wenn ihr nicht direkt in einen Webdesigner investieren wollt, gibt es genug kostenlose Anbieter wie WordPress (Beispiel: Lokaljournalistin Esther Ruppert-Lämmer) oder Blogger (Beispiel: Lokaljournalist Christoph Süß, Frankfurter Rundschau), mit denen Ihr euch leicht eine Schreibspielwiese ganz nach eurem Geschmack und Stil aus Bausteinen zusammenbasteln könnt. Kostet Zeit, sieht dann aber auch professionell aus.

Warum Social Media nutzen?

Obwohl Facebook die Reichweite für Fanseiten massiv beschnitten hat, ist gerade diese Plattform noch immer ein guter Multiplikator für eure Texte. Aktuell kommen immerhin noch 30 Prozent meiner Besucher über Facebook. Wobei die bessere Nachricht ist, dass Bradsticks zwischenzeitlich so gut geranked war, dass mit 60 Prozent der Großteil direkt über Google kommt, deshalb Texte gut taggen. Der Rest über andere Seiten, auf denen ich beispielsweise kommentiert habe oder als Gastautor oder Redakteur tätig war / bin.

Wie Social Media nutzen?

Klinken putzen: Wichtig ist, zuerst eure Freunde zu mobilisieren. Die ersten 50 Facebook-Fans generierte ich, weil ich Freunde angebettelt hatte, meine Seite zu liken und ihre Freunde dazu zu zwingen. Weil der Content gut war, setzte irgendwann das Schneeballprinzip ein. Teilweise habe ich auf Plattformen für Online-Dating gar nicht wirklich gedatet, sondern die Frage nach dem „Was machst du gerade?“ immer dazu genutzt, um darauf hinzuweisen, dass ich trotz später Stunde noch immer am Schreibtisch sitze und arbeite. „Weißt du, ich mach was mit Medien. Magste mal lesen? Hier die URL zu meinem Blog!“ Und dann: Next! Das ist Guerilla-Marketing.

Überlegt posten: Es gibt viele Regeln, wie man seinen Content gut über soziale Netzwerke streut. Die lest ihr anderswo. Auf meiner Facebook-Seite haben Fragen, speziell zu laufenden Fernsehsendungen oder Events und zu Schlagzeilen des Tages, immer gut funktioniert. Deshalb habe ich beim Schauen von Quotenbringern wie „Dschungelcamp“ und „Germany’s next Topmodel“ immer parallel geschrieben, um den fertigen Text kurz nach Ende der Sendung zu veröffentlichen, wenn die Zuschauer diskutieren wollen. Immer mit einem speziellen Fokus geschrieben, versteht sich.

Die Zusammenarbeit mit Leuten, die selbst Fanseiten betreiben, erwies sich ebenfalls als gewinnbringend. Dass ihr eure Beiträge nicht auf Facebook posten solltet, wenn alle schlafen, muss ich euch sicherlich nicht erklären. Überlegt mal, wann ihr Online-Content konsumiert, kommentiert und teilt. Morgens in der Bahn, in der Mittagspause, nach Feierabend? Mit Bildern, Statusmeldungen oder Videos auf eurer Fanseite generiert ihr erstmal Facebook-Reichweite. Dann hofft ihr, dass eure Fans auch die Textlinks anklicken, die ihr regelmäßig und nicht in Dauerbeschallung postet

Wir lesen uns im Netz!

Wetter, Skandale und Feierabend sind übrigens immer Themen, die euren Posts Likes bescheren. Und voll im Trend sind! Denn ich werde hier mal Feierabend machen und mich trotz miserablen Wetters auf Richtung Kiez machen. Ich brauche heute ‘ne skandalöse Nacht – für den Content von morgen.

Schickt mir doch mal eure Blog-Links über mein Kontaktformular – und werdet Facebook-Fans von Bradsticks!

Beste Grüße aus dem herrlichen Hamburg,

Maryanto Fischer

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