Brad Shaw bald in der Hölle

Ende des Kriegs in allen Stellungen: Die Hölle muss schön sein!

Veröffentlicht: Sonntag, 11. März 2012

Für den Fall, dass ich irgendjemandem mit meinem pessimistischen Weltbild an den Rand des Selbstmords getrieben habe, hier das Wort zum Sonntag: Den Stecker zu ziehen, ist keine Lösung. Dafür stecken wir einfach zu tief drin – im Sumpf. Nach der Single-Hölle folgt auf jeden Fall die richtige. Und die äußert sich wahrscheinlich nicht mehr nur im Mitleid, in der Häme und der Benachteiligung, die wir in der Pärchendiktatur täglich erfahren, sondern zusätzlich im bedrückenden Gefühl, dass es endgültig kein Entkommen mehr gibt. Denn eins steht fest: Auf die Pärchen-Hölle folgt gleichfalls die richtige. Bleiben wir bei Sartre: Die Hölle, das sind die anderen.

Kindern tun noch alles, um in den Himmel kommen. Dorthin, wo beflügelte Wesen auf Wolken sitzen und Harfe spielen. Dann werden aus Kindern Teufel oder zumindest Engel mit schmutzigen Gesichtern – und Händen. Denn der Alltag verdirbt uns. Spätestens seit uns die Trivialliteratur gelehrt hat, dass böse Menschen überall hinkommen (Werden Sie aufmüpfig und böse!”), scheint es ohnehin erstrebenswerter, den mühsamen Aufstieg Richtung Himmelstor einfach auszulassen und sich gleich fallen zu lassen. Wir sind eben nicht auf oben getrimmt, sondern auf unten.

In den Niederungen des Lebens

Nicht umsonst finden die besten Partys in Underground-Clubs statt, nicht umsonst lagern die besten Weine im Keller und nicht umsonst hat jener das leichtere Leben, der bei der Missionarsstellung unten liegt. Für alle drei Fälle gilt: Wenn Party, Wein und Missionarsstellung richtig gut abgehen, wissen die Beteiligten sowieso nicht mehr, wo oben und unten ist. Wenn nicht: Denkt drüber nach!

Besagte Häme, die Alleinstehende in der Pärchendiktatur erfahren, ist der eigentliche Grund, warum unsere Unabhängigkeit ab einem Punkt als tragische Existenz wahrgenommen wurde: Singles führen ein unseriösesLeben. Singles feiern zu lange, sie trinken zu viel und lassen sich schon gar nicht missionieren. Die anderen Singles sind einfach Langweiler. Die Wahrheit: Wenn wir nach Feierabend das erste Glas Wein trinken, und mit missionarischem Eifer versuchen, unseren Geist für den Stellungskrieg gegen die Tränenfront zu stärken, können wir über unsere Außenwirkung nur den Kopf schütteln.

Bridget Jones – All by myself

Die Frage nach der bemitleidenswerteren Existenz bleibt trotzdem die Frage nach Pest oder Cholera. Denn auch Pärchen gehen durch die Hölle – und werden vielleicht ab und zu missverstanden. Vielleicht…

Fakt ist: Pärchen verlassen Partys, bevor sie überhaupt losgehen und nutzen das Zuviel an Wein auf dem Sofa später, um Stellungen jeglicher Art zu vermeiden. Im Zweifelsfall wird der untere Platz nicht mehr als Lustgewinn, sondern als kleineres Übel wahrgenommen. Während der eine noch mit vollem Körpereinsatz in der Mission Liebe unterwegs ist, wäre der andere gern auf der Party unter den schönen Singles geblieben – und zwar allein! Oder er geht schon seine Termine für den nächsten Tag durch. Kopfsachen.

Der Sündenfall beginnt mit dem Gedanken – und endet im Schulterschluss. Statt zweisam einsam zu sein, holen sich Pärchen gelegentlich Singles als Beziehungsretter nach Hause. Für die einen bedeutet das den Ausbruch aus der Routine, für den anderen den ultimativen Kick. Merke: Bei guten Dreiern bist du der Dritte.

Ende des Konkurrenzkampfes

Insofern ist es im Grunde überhaupt nicht nachzuvollziehen, warum sich Singles und Pärchen im ständigen Konkurrenzkampf um die bessere Existenzauf Erden befinden. Im Grunde brauchen sie sich für ihr gutes Gewissen: Gegenseitig. Der eine sieht in den anderen die Bestätigung für seine Freude an der Unabhängigkeit (Boring!”), die anderen wissen ihre Abhängigkeit in seiner Gegenwart wieder zu schätzen („Bitchy!”).

Insgeheim beneiden sich beide Fraktionen um das, was sie gerade nicht haben. Nur schaffen es Pärchen stets, ihren Neid effektvoll hinter dem zweifachen Zuckerguss-Grinsen zu verstecken. Die Kraft der zwei Herzen: Doppelt hält eben besser. Singles dagegen gehen in der direkten Konfrontation zumeist den einzig richtigen Weg und kokettieren mit ihrem Neid.

(bei C.C. Catch waren übrigens die Klamotten die wahre Hölle)

Lasst uns Frieden schließen

Problem: Es gibt Singles, die sich wie Über-Pärchen verhalten und andererseits Pärchen, die sich wie Hardcore-Singles benehmen. Erste Kategorie Mensch ist wahrscheinlich die einzige, die aufgrund ihrer hohen Moral irgendwann doch im Himmel landet und sich dort weiter langweilt. Zweite fällt irgendwann genauso tief wie der Rest.

So werden wir uns fast alle früher oder später wiedersehen. Warum also nicht bereits auf Erden Frieden schließen?

Wer genauer darüber nachdenkt, wird ohnehin feststellen, dass wahrscheinlich sein gesamtes soziales Umfeld irgendwann in der Hölle enden wird. Ausgenommen sind Freunde von Victoria von Schweden oder ehemalige von Mutter Theresa. Heißt irgendwie auch: In der Hölle muss es schön sein! Und sexy. Auf jeden Fall nicht schlechter als im Himmel, wo die Party wegen nerviger Dauerbeschallung durch Harfen zwangsläufig zu Komasaufen und im nächsten Schritt zu allgemeinen Erektionsstörungen führen muss. Dann lieber Justin Bieber und Trash-Party.

Bis wir gemeinsam mit Hörnern und Hufen Macarena ums Feuer tanzen, lasst uns einfach die höllisch schöne Existenz auf Erden genießen. Jeder für sich, und mancher nur, wenn keiner hinguckt.

Und das ist die gute Nachricht: Die Erde ist bereits der Himmel. Wäre doch schade, nie aufs nächste Level zu kommen. Und was wäre das ewige Weiterleben ohne unsere Freunde?

Belinda Carlisle – Heaven Is A Place On

I wanna dance with somebody,

Mehr aus meinem Tagebuch: HIER!

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Kommentare

  1. Gepostet von Elli am Sonntag, 11. März 2012

    Ich liebe deine Texte. Gerade für ihre Überspitzung. Viele Grüße aus Salzburg, Elli

  2. Gepostet von Tomi am Sonntag, 11. März 2012

    langsam könnte man den eindruck gewinnen, dass du die missionarsstellung wirklich magst ;)

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