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Endgegner-Interviews: Reich-Ranicki, Gauck, Klopp, Timberlake & Ferris MC

Veröffentlicht: Mittwoch, 28. Oktober 2015

Ich werde gelegentlich gefragt, vor welchen Interviewpartnern ich bisher am meisten Angst, oder nennen wir es besser Respekt, hatte. Ich muss dann meistens kurz überlegen: Heidi Klum war immer zu professionell freundlich, um scary zu sein; Joachim Gauck und Johannes Rau strahlten vor allem großväterliche Nettigkeit aus. Und Justin Timberlake? Den fand ich einfach zu geil, um Angst vor ihm zu haben. Gleiches galt für Max Riemelt.

Bei genauerem Überlegen gab es bisher nur zwei Interviewpartner, vor denen ich einen Heidenrespekt hatte.

Erstens: Marcel Reich-Ranicki, den ich als nicht mehr ganz so absoluter Beginner mit 24 sprechen durfte.

Zweitens: Jürgen Klopp, den ich zum ersten Mal 2013 traf.

„Reden wir lieber über Britney Spears“

Respekt vor dem Literaturpapst übrigens, weil sein Intellekt einfach unglaublich beeindruckend war. Vor dem Fußballgott, weil ich befürchtete, Klopp könnte anfangen, ernsthafte Fachgespräche mit mir zu führen, woran ich kläglich gescheitert wäre.

Bei Reich-Ranicki, „Sie haben aber ein tolles Hemd an, junger Mann“, punktete witziger Weise ausgerechnet ich mit meinem Outfit, bevor er mir seine private Porträtsammlung zeigte.

Klopp gab ich gleich zu Beginn unseres ersten Treffens zu verstehen, dass ich nur Fußball schaue, weil ich Jungs in Stutzen hot finde – und wir sprachen einfach über Britney Spears.

Jürgen Klopp ist ein Sweetheart. Und er mag Britney. Mehr bald auf www.bradsticks.com

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Montag, 9. September 2013

 

Man könnte nun meinen, dass Nervosität im Alltagsgeschäft nach diesen ganz geschickt gemeisterten Grenzerfahrungen eigentlich nicht mehr vorkommen dürfte, doch das ist nicht wahr. Denn jeder wartet insgeheim immer auf einen weiteren Endboss – in einem Zustand irgendwo zwischen absolutem Adrenalin-Kick und krasser Versagensangst. Ich hatte viele Jahre einen imaginären Angst-Interviewpartner. Gestern traf ich ihn.

Wenn du raus aus den Routinen bist

Zugegeben, ich bin so ein bisschen raus. Die Tage, in denen ich drei, vier manchmal fünf Interviews am Tag führte, sind lange vorbei. Zwar habe ich auch in den letzten 2,5 Jahren viel interviewt, aber selten für meinen Hauptjob. Meistens für diesen Blog oder 2014 großteilig für mein Buch.

Nicht, dass ich jemals eine Unterscheidung zwischen prominenten und nicht-prominenten Interviewpartnern getroffen hätte. Es ist ein Anfängerfehler zu meinen, dass wir in Gespräche mit Stars mehr Zeit, Herzblut und Ernsthaftigkeit investieren müssten als in Interviews mit Leuten wie du und ich. Das Gegenteil ist richtig.

Im Grunde macht es sowieso keinen Unterschied, wen du sprichst. Du musst es lediglich schaffen, Menschen eine Geschichte zu entlocken. Im Idealfall eine, die sie noch nicht 10.000 Mal erzählt haben, was oft unvermeidbar ist, wenn du dich steif an einem viel zu akribisch ausgearbeiteten Fragenkatalog festklammerst. Ich glaube, das lesenswerte, lebendige Interview lebt von der kalkulierten Spontanität. Gerade im Frage-Antwort-Format.

MIA.-Maus Mieze soll neben Rapper Kay One Dieter Bohlens DSDS-Jury pimpen. Ich würde wieder einschalten. Cutest interview ever!

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Montag, 23. September 2013

 

Das Tagesgeschäft läuft ohnehin so: schnell vorbereiten, dein Interview durchziehen, zurück in die Redaktion rasen, deinen Text schreiben, und dich auf dem Weg zum Auto mental bereits auf den nächsten, vielleicht unverhofften Gesprächspartner einstellen. Es gibt schon einen Grund, warum ich immer für die gute, breite Schule der Tageszeitungen werbe.

Und dann kam Ferris MC

Doch genau das war diesmal meine Sorge: dass die erlernten Routinen weg sind. Die Standards. Zum Beispiel die Fähigkeit, blind zu schreiben, so dass du Augenkontakt mit deinem Gesprächspartner halten kannst. Die Zweifel kamen ausgerechnet zwei Stunden vor dem Termin mit meinem Angst-Interviewpartner, während ich mich bei einem Kaffee schnell in sein Leben einlas: Ferris MC.

Ich war nie ein Hardcore-Ferris-Fan, aber Fan genug, dass mich seine Musik seit vielen Jahren immer mal wieder begleitet. Umso mehr, seit er festes Mitglied bei Deichkind ist.

Das war allerdings nicht der Grund für meine Nervosität. Vielmehr die Erinnerung an die legendäre „Interaktiv“-Sendung auf VIVA, in der Ferris Gülcan Kamps im Live-TV wegen eines Playbackfehlers beim Abspielen seiner Beats in Grund und Boden stampfte. Wie viele Zuschauer habe auch ich damals so unendlich mit der armen Frau gelitten…

Der Text bald auf TV Movie Online

Nur für den Fall war ich entgegen meiner Gewohnheiten überpünktlich am Hamburger Grand Elysée, wo ich Ferris und Eko Fresh im Rahmen eines ZDF-Pressetags zu ihrer neuen Sitcom „Blockbustaz“ sprechen sollte.

Nach Jahren ohne eigene Identität der Fotobeweis: Eko Fresh (rechts) und ich (links) sind nicht die selbe Person. Ferris kann’s bezeugen > http://bit.ly/1jNCm8x

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Dienstag, 27. Oktober 2015

 

Und Ferris hat mich echt überrascht. Weil er nicht nur mega gechillt rüber kam, sondern darüber hinaus die geilsten schwarz-weißen Airmax trug, die ich seit langem gesehen habe.

Was mir Ferris und Eco über ihre Ghetto-Sitcom erzählt haben, lest ihr demnächst auf TV Movie Online. Nur so viel: Das Ding wird echt, wie sagten sie, „dope!“

Stay tuned,

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Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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