moulin rouge

Eine Geschichte über die Liebe. Eine Liebe, die niemals enden wird

Veröffentlicht: Samstag, 11. Januar 2014

Sentimentale Menschen erkennen sich oft selbst nicht wieder, definitiv aber immer in den großen Liebesgeschichten dieser Welt. Und im Weltschmerz. Ich brauchte weniger als zwanzig Minuten von Baz Luhrmanns „Moulin Rouge“ zu sehen, um schmerzlich zu erkennen, dass ich nicht nur sentimental bin, sondern auch hoffnungslos romantisch.

Machen wir reinen Tisch mit dem Gefühlsleben sentimentaler Großstadtsingles in der ständigen Hetze zwischen U2 und U3, zwischen dem Job und dem nächsten Blowjob: Manchmal fragen wir uns, was schlimmer ist – morgens von einem Bus überfahren, oder abends von der Liebe überfallen zu werden. Und dann so zu enden wie Nicole Kidman in „Moulin Rouge’“.

Hamburg war nicht Paris. Trotzdem entschied ich mich gegen die Fahrbahn und fuhr den Film weiter. Nicht in der Rolle der Kurtisane. Korrekterweise als der, der schreibt. Über Wahrheit, Schönheit und Freiheit – und das, woran ich am meisten glaubte: an die Liebe. Denn auch ich glaube, dass fast alles, was je über die Liebe geschrieben wurde, wahr ist. Oder wahr werden kann. Weil es die Liebe mehr noch als alles andere vermag, unsere Vorstellungskraft zu sprengen – etwas Wichtiges, das du im Leben lernst. Zum Glück.

Schwer vorstellbar also, dass Menschen über die Liebe schreiben könnten, der nie wirklich geliebt hat. Shakespeare fragte: „Was soll ich mit der Liebe, wenn sie den Himmel mir zur Hölle macht?“ Aber er schrieb bekanntlich auch, dass die Reise ende, wenn sich zwei Liebende finden. Sicherlich aus einem Grund. Wenn Shakespeare, der es ebenfalls vermochte, Liebende leidvoll durch die Hölle gehen zu lassen, die Hoffnung auf das Ende der Reise nie aufgab, warum sollten wir es tun?

Ich fand die Liebe nach Jahren des Reisens in dieser Stadt – und kam schnell nicht mehr umhin mich zu fragen: Sind wir immer irgendwie Shakespeare in love? Oder lassen wir uns nur allzu leicht von schönen Worten täuschen? Liebe will Taten. Da erinnerte ich mich all der Torheiten, zu denen mich die Liebe genötigt hatte. Da wusste ich, dass ich wirklich liebte. Von ganzem Herzen. Kompromisslos und losgelöst von jedem Verstand. Wie in Shakespeares Sommernachtstraum. Oder in Luhrmanns „Moulin Rouge“.

Ich liebte ihn einfach. Im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Obwohl ich meinen Sommernachtstraum nicht bekommen hatte. Den ganzen Sommer über nicht. Auch das Wintermärchen war ausgeblieben. Dagegen war das Gefühl gekommen, Zeit verschwendet zu haben. Zeit für einen anderen Traum, während ich gegen Windmühlen gekämpft hatte. Gegen Bollwerke. Wie schnell vergeht ein Jahr. Manchmal.

Doch hatte Shakespeare nicht auch geschrieben, dass kein steinern Bollwerk sich der Liebe wehren kann, dass Liebe wagt, was irgend Liebe kann? Also wagte ich, weiter zu glauben Und der Liebe leichter Schwingen ließen mich wieder gegen die Windmühlen ankämpfen. Denn ich hatte nicht vor zu enden wie Romeo. Tragisch. Oder tot.

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Ja, Juli war es, als ich wieder anfing, über die Liebe zu schreiben. Und Himmel – bisher habe ich nicht aufgehört, diese Hölle zu Papier zu bringen. Diese Liebe brauchte keine Ferien. Beziehungsweise: Ich hatte ihr eine Urlaubssperre verhängt. Denn zur Liebe drängt, an der Liebe hängt doch alles. Zumindest eine ganze Menge. Zum Beispiel der Weltschmerz.

Ein Jahr später wusste ich, dass die Zeit mit leichten Schwingen die beste Zeit meines Lebens war. Und die schlimmste. Manchmal glaube ich, dass es besser gewesen wäre, dem Herrlichsten aller Hamburger nie begegnet zu sein. Weil immer er über Sein und Nicht-Sein entschieden hatte. Doch sein Lächeln hatte Licht in meinen Winter gebracht. Und in meinen Sommer. Und ich hatte schnell gelernt, ihn lächeln zu lassen.

Was also, wäre ich nie in diese Stadt gezogen? Vielleicht wären wir uns nie begegnet. Vielleicht wäre das wirklich besser gewesen. Plötzlich war es wieder Winter. Ich stellte das Kämpfen ein und floh. Fortan wartend, was kommen würde. Doch die Zeit vergeht langsam. Sechs Stunden scheinen schnell wie sechs Tage, sechs Tage wie sechs Wochen und sechs Wochen schließlich wie sechs Jahre.

Erst im Warten wurde mir klar, dass es noch schlimmer geht: Es war die längste Zeit meines Lebens. Und ich war die längste Zeit glücklich gewesen. Weil weder Sommer noch Winter schön sein würden – ohne ihn. Das klingt jetzt sentimental. Ist auch so gemeint. Eben hoffnungslos romantisch.

Wie Schatten flieht die Lieb’, indem man sie verfolgt. Sie folgt dem, der sie flieht, und flieht den, der ihr folgt“, schreibt Shakespeare in „Romeo und Julia“. Zweimal las ich mir diese Zeilen vor. Das dritte Mal laut. Dann floh ich vor meinen Gefühlen. In den Job. Sentimentale Menschen erkennen sich oft nicht im Spiegel wieder. Definitiv aber immer in den großen Liebesgeschichten dieser Welt – vor allem in den unendlichen. Während sie warten.

Aus Tagen wurden Wochen. Aus Wochen wurden Monate. Und eines Tages, es war kein besonderer Tag, nahm ich meine Tastatur, setzte mich hin und schrieb unsere Geschichte auf. Eine Geschichte über eine Zeit, eine Geschichte über eine Stadt, eine Geschichte über die Menschen. Aber vor allem eine Geschichte über die Liebe. Eine Liebe, die niemals enden wird.

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Das Wunderbarste das du jemals lernen wirst, ist zu lieben und wieder geliebt zu werden.“ Zum Glück.

Herz drum. Fertig,

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