Invictus

WannSea Dragons-Wannabes? Männer, Muskeln, Modeblogs!

Veröffentlicht: Dienstag, 17. September 2013

Der nächste Schlag wird zum Schlag ins Gesicht. Für meine Hinterfrau. Ich sehe das Wasser spritzen und drehe mich lieber nicht um. „Was machst du?“, höre ich sie schreien, während ich bereits zum nächsten ansetzte. Ich habe keine Luft mehr, um mich zu entschuldigen. Und keine Zeit. Doch insgeheim hoffe ich, es diesmal besser zu machen. Für das Team, inzwischen irgendwie auch, um nach der eigentlichen Schlacht keine Tracht Prügel zu kassieren. Mit dem Paddel. Von meiner Hinterfrau. Das Drachenboot gleitet weiter die Dahme runter. Das Panorama auf ihr Berliner Ufer geht an uns vorbei. Dafür geht es endlich voran. Immer schneller…

Drachenbootfahrer Marcus Zierke in Action Foto Paco Rabanne

Drachenbootfahrer Marcus Zierke von den Berliner WannSea Dragons in Action / Alle Fotos: Paco Rabanne


Nach ein paar Minuten ist das erste Rennen geschafft – und der Freudentaumel in unserem Boot gigantisch. Gewonnen! Aus dem anderen ist kein Jubel zu hören, dafür das Klicken einer Kamera. Marcus Zierke lächelt erschöpft in die Linse. Für den deutschen Anwärter auf den „Invictus“-Award des Labels Paco Rabanne geht es heute um mehr, als den Mannschaftskameraden von den WannSea Dragons zu beweisen, dass er Modeblogger dazu motivieren kann, ihre schönen Schuhe am Steg stehen zu lassen. Sie sollen sich in ein Abenteuer stürzen, das mit den internationalen Laufstegen nur eins gemein hat: Was auf wenigen Metern locker-leicht aussieht, ist in Wahrheit harte Arbeit.

Fahren für Aufmerksamkeit

Aber Zierke ist nicht hier, um unentwegt über seine Modelkarriere zu sprechen. Die Zusammenarbeit mit dem spanisch-französischen Modehaus gibt ihm und seinem Verein die Möglichkeit, ihren Sport in Deutschland ein wenig bekannter zu machen. Mit den Jungs der WannSea Dragons sitzen Europa- und Weltmeister in unseren Booten. Den härtesten Kampf fechten die Muskelpakete allerdings nicht auf dem Wasser aus. „Wie jede nicht-olympische Sportart kämpfen wir vor allem um Sponsoren“, hat mir Zierke gerade am trockenen Ufer erzählt.

Wie die Fahrt auf dem ruhigen Wasser für uns schnell zur Zitterpartie wird, bleibt jeder Wettkampf für die Athleten ein Projekt, das es in trockene Tücher zu bringen gilt, bevor überhaupt ans Rudern zu denken ist. Oder ans Fliegen. Fördergelder seien kaum zu bekommen, Preisgelder rar, sagt Zierke. „Wenn wir zu Meisterschaften nach Asien fahren, zahlen wir Flug und Unterkunft aus eigener Tasche. Einige können sich das gerade noch leisten, andere Drachenboot-Begeisterte schließt dieser Umstand leider völlig aus.“ So verliere der Sport immer wieder junge Talente.

Drachenboot-Fahren mit den Wannsea Dragons aus Berlin Foto Paco Rabanne

Für die Gäste steht das zweite Rennen an. Wieder bemühe ich mich, das Arbeitsgerät möglichst senkrecht ins Wasser zu drücken. Rund 50 Möglichkeiten dürfte ich pro Minute haben. Die internationale Elite schafft in dieser Zeit rund 140 Schläge bei fast 20 km/h. Doch wir sind nicht zur Weltmeisterschaft angetreten. Wir sind hier, um zu beweisen, dass wir mehr können als uns schön anziehen – oder schön zu schreiben. Deshalb nochmal zum Mitschreiben: Die ersten Paddelschläge müssen kräftig sein, um das Boot mit seinen 250 Kilogramm plus 20 Fahrern in Schwung zu bringen. Die nächsten zehn bleiben hart – fürs Tempo. Dann geht es um das gleichmäßige Vorankommen auf der Strecke. Die ist lang.

Kein Platz für Stars

Ich merke schnell, dass das Drachenbootfahren ein Mannschaftssport ist, der mehr Gruppendynamik erfordert als Fußball oder Curling. Denn hier ist kein Platz für Stars. Auch nicht für Allüren. Zierke hat für Labels wie Levi’s gearbeitet, war zweimal auf dem Cover der „Men’s Health“ und im zweiten „Sex and the City“-Film zu bewundern. Aber hier ist er kein Star. Er will es auch nicht sein. Er hat einfach Spaß am Drachenbootfahren, noch mehr mit seinen Freunden. „Beim Drachenbootfahren wäre es ohnehin die falsche Strategie, einfach die besten Sportler zusammen zu packen“, erklärt er. „Weitaus wichtig ist, dass sie zusammen funktionieren.“

Marcus Zierke Berlin Drachenboot fahren fuer Paco Rabanne und Invictus

Marcus Zierke von den Berliner WannSea Dragons (links): “Im Drachenboot geht es um Teamwork!”


Aber wie funktionieren die Blogger, die sich zwischen den Profis in die Boote eingereiht haben – unter ihnen Joleena von Based, Kathrin von Kathrynski, Friederike von Freidesign, Ann von Tha.Darlingh, David von iHeartBerlin sowie meine Hinterfrau, Nadine von Style Taxi? „Wirklich gut“, ruft, Trommler Ingo Thumm, den sie hier „Inge” nennen. Er wird ebenfalls über den mangelnden Rückhalt für seinen Sport klagen. Aber erst später. Vorerst klagt er über unsere Fitness. „Du bist so weiß wie dein Shirt, Brad“, ruft er in meine Richtung. Dann donnert er seinen Holzstab wieder auf die Trommel. Wir folgen seinem Takt. Bereit?

Einfach fabelhaft

Ich richte mich auf einen harten dritten Lauf ein. Meine Muskeln schmerzen, das Bar-Hobbing der letzten Nacht beginnt, sich zu rächen. „Hop, hop“, schreit Inge. Ich will nicht auffallen. Noch immer ist nicht wirklich daran zu denken, im Team zu funktionieren. Ich bin speziell damit beschäftigt, das Paddel wirklich senkrecht ins Wasser zu kriegen, am besten synchron mit meinem Nebenmann Dominik – und weder den Kameramann, noch Hinterfrau Nadine unnötig mit Dahme-Wasser zu benetzen. Die Dame ist schon sauer genug. Zum Glück klappt es inzwischen besser. Nach der Schlappe im zweiten ist das dritte Rennen wieder gewonnen.

Es geht zurück ans Ufer, die Schuhe einsammeln. Für das Gruppenfoto, auf dem sich Gewinner und Zweitplatzierte gleichermaßen in den Siegerduft „Invictus“ einhüllen – und in einem stimmiges Gesamtbild. „Schaut eher nach Wet-T-Shirt-Wettbewerb als nach Regatta aus“, denke ich, während ich erleichtert feststelle, dass die schönen Blondinen um mich herum nicht weniger erschöpft aus der Wäsche schauen als ich. Macht nichts. Wir sehen fabelhaft aus! Nicht so fabelhaft wie Zierke, der uns allein für unser Durchhaltevermögen in seine starken Arme nimmt. Dafür hat sich die Fahrt nach Berlin umso mehr rentiert: meine erste Sporturkunde seit den Bundesjugendspielen im Geräteturnen in Klasse 9. Damals war ich der Star an den Ringen.

Joleena von Based fotografiert Dominik und mich mit Marcus Zierke Foto Paco Rabanne

Drachenboot fahren in Berlin mit Marcus Zierke - Paco Rabanne

Toller Tag mit Marcus Zierke von den WannSea Dragons und dem “Invictus”-Team von Paco Rabanne: Modeblogger nach dem Drachebootrennen

Drachenbootfahrer Marcus Zierke wirbt für InvictusFoto Paco Rabanne

Diesmal ringe ich nur um Luft und hoffe, dass die WannSea Dragons im großen Kampf um einen Platz unter den fünf olympischen Ringen irgendwann genauso erfolgreich sein werden wie als Motivatoren für müde Modeblogger, zu denen ich nicht mal zähle.

Doch auch für Singles zählt im Leben wie im Drachenboot immer wieder: kämpfen, dabei möglichst gut aussehen und nur feucht werden, wenn es sich wirklich lohnt! Wie an diesem Tag in Berlin, als alles, was ich wirklich wollte, trockene Wechselunterwäsche war. Aber warum sollte ich weniger leiden als meine Hinterfrau?

 

Let’s get wet – again, girls,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Invictus Blogger Event

Kommentare

  1. Gepostet von Joleena am Dienstag, 17. September 2013

    Toller Artikel!

    Nur bei mir hat das “feuchtwerden” wohl dazugeführt, dass ich nun erkältet bin. :D

  2. Gepostet von Brad am Dienstag, 17. September 2013

    Oh, nein :( Dann ab ins Bett mit Tee. Was will man in Hamburg auch machen :)

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