Hamburger Hafen

Doch zum Wahnsinn fehlt dir der Mut?

Veröffentlicht: Sonntag, 2. November 2014

Wenn das Leben im Fluss ist, ist es noch lange nicht perfekt. Weil das ruhige Plätschern auf der Ideallinie uns nur näher an das bringt, was wir sein können. Und damit weiter weg von dem, was wir sein könnten. Manchmal, wenn ich beobachte, wie die großen Schiffe den Hamburger Hafen verlassen, wünsche ich mir, auf das nächstbeste aufzuspringen und mitzufahren. Egal wohin. Weil uns nichts weiter nach vorn bringt, als in gewissen Momenten die Vernunft über Bord gehen zu lassen und zu wagen, woran unser Herz hängt. Obgleich sich das zuerst nach Wahnsin anhört.

Zumeist wünschen wir uns trotzdem, dass die Vernunft endlich die Oberhand gewinnt; den Sieg gegen all die verrückten Fantasien und wilden Träume davon trägt, die sich dann und wann in unseren Köpfen abspielen wie Hollywoodfilme – mit Happy End. Wir wünschen es uns sogar ehrlich und aufrichtig. Weil „Richtig“ und „Falsch“ an den Maßstäben der Vernunft gemessen immer so leicht zu identifizieren sind, wo Fantasien und Träume niemals versprechen würden, dass sie uns jemals wirklich passieren – außer in unseren Gedankenspielen.

So spielte ich das Vernunftspiel in meinen Gedanken immer wieder durch, schielte auf die vorgegebenen Routen und die sichtbaren Grenze – und riss dann doch wieder das Ruder rum. Denn was würde unser Leben in den großen Momenten letztendlich tragen, und in den kleinen erträglicher machen, wenn nicht das Verrückte und das Wilde in unseren Herzen?

Nichts! Es sind unsere Fantasien und Träume, die uns voran treiben, nie die sicheren Nummern. Vielleicht nicht immer auf dem direkten Weg. Aber immer ein bisschen weg von dem, was uns im Leben manchmal lähmt, wenn der Kahn zwischen Wellen und Stürmen endlich wieder bebt, wenn wir uns wieder lebendig fühlen und uns hoffnungsvoll fragen, was hinter dem Horizont auf uns wartet.

Deshalb ist es gut, dass sie in uns weiter gegen die Vernunft kämpfen. Und wir im Leben immer wieder für sie. Wir, die Abenteurer, die Reisen auch dann antreten, wenn die Zeichen auf Sturm stehen. Weil für uns der schlimmste Endpunkt nie das Verlieren wäre. Es wäre das Gefühl, nie angetreten zu sein – im Spiel gegen die Großen und die Grenzen. Vor allem für unsere verrückten Fantasien und unsere wilden Träume.

 

Vielleicht könnten wir wirklich all diese verrückten Dinge tun, von denen wir träumen, wenn wir am Fluss stehen und den großen Schiffen hinterher schauen, die in die Welt hinaus fahren. Vielleicht auch nicht. Wichtiger ist auch, dass wir uns überhaupt vorstellen können, sie tun. Denn es ist immer die Fantasie, nie die Vernunft, die uns näher an unsere Träume bringt. Und das, was wir sein könnten. Manchmal bedeutet, die Vernunft über Bord gehen zu lassen, eine Entscheidung für groben Unfug. Zumeist aber ist die Entscheidung, die eigene Welt aus den Fugen geraten lassen, um eines Morgens in einer schöneren aufzuwachen.

Gestern las ich in einem Buch folgenden Satz: „Dasjenige, auf das Sie sich in ihrem Leben konzentrieren, wird wachsen.“ Ich habe genickt, das Buch zugeschlagen und wieder auf mein Herz gehört. Denn all die Dinge, dich ich heute habe, wo ich bin und wer, mit allen persönlichen Errungenschaft und Verlusten, waren irgendwann verrückte Fantasien und wilde Träume in meinem Kopf. Sie waren nur scheinbar das Brechen mit der Ideallinie eines Lebens im Fluss. Sie waren die Zubringer zur nächsten Insel, zum nächsten sicheren Hafen.

Was hält dich zurück? Das ist der Augeblick,

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