Die perfekte Beziehung und der passende Schuh

Die perfekte Beziehung und der passende Schuh

Veröffentlicht: Freitag, 4. November 2011

Die Notwendigkeit perfekter Beziehungen zieht sich durch alle Bereiche des Daseins – von der Koalitionsbildung in der Politik über die Symbiosen in der Natur bis zur Referatsgruppen-Bildung an der Uni. So gesehen ist Perfektion in privaten, zwischenmenschlichen Beziehungen mehr als die Kür. Sie ist das Masterpiece. Als ich merkte, dass ich die fundamentalsten Beziehungen meines Lebens mit pornographischen Inhalten aus dem Internet führe, kam ich nicht umher mich zu fragen: Käme eine Fee mit drei Wünschen vorbei, könnte ich die perfekte Bindung überhaupt beschreiben, die ich suche?

Mein zweiter Freund hat mir verboten, laut Britney zu hören. „Das darfst du nur beim Putzen“, hat Matze immer gesagt. War ‘ne lustige Beziehung. Aber die perfekte sicherlich nicht. Schließlich war eine Britney-freie-Zone im Jahr 2000 ungefähr so absurd wie eine Euro-freie-Zone in Griechenland – per Volksentscheid. In Beziehungen darf es nie darum gehen, den Partner komplett umzukrempeln, so dass er am Ende… naja, nur noch DJ Bobo hört.

Bin ich schwer vermittelbar?

Ok, ich bin gut im Bett. Ich habe bei Singstar immer an den 9980 Punkten gekratzt, wenn Natalie Imbruglias „Torn“ gestartet wurde. Und ich habe meinen Ex wirklich immer die Köpfe gehalten, wenn ihre Mägen nicht mehr auf „Gin Tonic meets Jägermeister“ klar kamen. Gehe ich nicht offensiv genug mit meinen Qualitäten um? In einem selbstkritischen Moment kam ich zur Einsicht, dass ich schwer zu vermitteln bin.

Ich brauche mindestens zwanzig Minuten am Tag, während denen ich mich mit meinem iPod im Bad einschließen kann, um peinlich zu tanzen. Außerdem:

  1. Ich kann nicht kochen, habe aber rund um die Uhr Hunger, wobei ich bevorzugt Speisen bestelle, die so penetrant riechen wir Hühnchen in Kokosmilch-Curry.
  2. Ich brauche die Zigarette danach, auch wenn es überhaupt nicht zu Sex kommt.
  3. Ich bin der Mann, der Donnerstags nie kann, weil an diesem Tag in normalen Jahren immer „Popstars“ und „Germany’s Next Topmodel“ laufen.
  4. Ich schlafe in Shorts und vergesse manchmal, sie morgens zu wechseln.
  5. Ich will jeden Abend „Bridget Jones“ und „Tatsächlich Liebe“ gucken, und heule im Abspann.
  6. Manchmal mache ich komische Maunz- und Grunzgeräusche, die nur Buldogge Olga versteht.
  7. Ich habe als Kind volkstümliche Blasmusik gemacht und die bayrischen Trachtenhosen später mit Buffalos kombiniert.
  8. Ich schnarche.
  9. Jürgen Drews hat mir auf einem Pressetermin seinen grünen Slip gezeigt. Seither hasse ich Grün, weshalb ich keine Pflanzen in der Wohnung dulde.

Ziehen sich Gegensätze an?

Die Frage nach der perfekten Beziehung ist zuerst immer die Frage nach „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“. Meine persönliche Bilanz ist übrigens 4:2 für „Gegensätze ziehen sich an“.

Obwohl diesem Konzept eine gewisse Spannung immanent ist, fangen Partner früher oder später doch an, sich gegenseitig verändern zu wollen.

Spätestens wenn Sätze wie „Willst du nicht mal… (weg von der Playstation)!“ / „Kannst du nicht mal… (aufhören in ‘Sex and the City’-Zitaten zu sprechen)!“ / „Musst du immer… (pupsen)!“ zu hören sind, hat dieser Prozess bereits eingesetzt. Wobei zumindest perfekte Intimität in jenem Moment erreicht ist, in dem man voreinander furzt, ohne dass einer auch nur mit der Wimper zuckt.

In der perfekten Beziehung sind Veränderungen nicht nötig oder vollziehen sich zumindest auf natürliche Art. Für mich wäre eine Beziehung mit mir selbst trotz gleicher Interessenlagen und kalkulierbarer Risiken nicht vorstellbar. Ich würde mich nach einer Woche umbringen. Und Britney dazu!

Der perfekte Partner

Die Frage nach der perfekten Beziehung fängt bei der Frage nach dem perfekten Partner an. Es ist ja so: Bei vielen heißen Miezen kann man sich kaum vorstellen, sie am Morgen danach zwischen Toast, Kaffee und Marmelade zu ertragen. Und sie Daddy vorstellen? Indiskutabel!

Die „good on paper guys“ dagegen sind zumeist weitaus weniger spannend als die Kursschwankungen, die ihre Aktien derzeit an der Börse durchmachen: „And so what? My mama likes you. What now I guess you think that I will, too.“

* Wer schleppt schon ‘ne geile Sau vor den Altar?

* Andererseits: Wer datet schon den barmherzigen Samariter? Oder Jesus?

Die Mischung macht’s

Die perfekte Beziehung hätte ich wahrscheinlich mit einer Kreuzung aus Lukas Podolski und Umberto Eco. In der perfekten Beziehung vögelt man heimlich in der Toilette, um 15 Minuten später mit den Schwiegereltern Bienenstich essen.

Man beginnt den Samstag mit Wein auf einem Harfenkonzert und beendet ihn mit sechs Wodka pro Stunde auf der Tanzfläche. Man passt sich an, ohne sich zu verändern; man verändert sich ohne Anlass.

An für alle, die jetzt wieder wissend stöhnen: Mein sexy sechster Freund S. war großartig. Er war perfekt. Nur trägt er Bootsschuhe und ich ich Nikes. Manchmal kommt es eben auf Kleinigkeiten an. Und den Schuh, wie bei Cinderella.

Im Großen und Ganzen muss ich trotzdem feststellen: I loved you more than Britney, Bridget und Bradshaw together.

Und weil er mich eben kennt: THIS is a lot!

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Kommentare

  1. Gepostet von Peter am Freitag, 4. November 2011

    Süße Liebeserklärung

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