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Die Karte, die alle anderen schlägt

Veröffentlicht: Sonntag, 21. Juni 2015

Manchmal meinen wir, die Dinge wären kompliziert. Manchmal sind sie das auch, und liegen doch so einfach.

Wie in diesem Fall: Trotz all dieser Fürs und Wieder kamen wir immer wieder an denselben Punkt zurück – entweder du vertraust, oder nicht. Einer Sache, einer Zukunft, dir selbst, oder einem anderen Menschen.

Obgleich letzter Fall der komplizierteste ist, zugegeben, ist er gleichfalls der eindeutigste. Denn wer mit Menschen zu tun hat, hat oft gar keine andere Wahl als ihnen einen Vertrauensvorschuss zu geben, oder sie wieder abzuschießen. Weil der Versuch, Menschen zu deuten, immer wieder zu der Frage führt, ob du vertraust oder nicht. In etwas, das du glaubst, oder glauben willst. In etwas, das du siehst, oder sehen könntest.

Genau dann schlägt das Vertrauen, das du hast, oder nicht, alle Bedeutungen, die du etwas beimisst. Einer Sache, einer Zukunft, dir selbst oder einem anderen Menschen. Weil Vertrauen keine Frage des Wollens ist, sondern des Glaubens.

Gelegentlich liegen die Grenzen zwischen Naivität und Nihilismus dicht aneinander, nie aber nah genug, um sich nicht entscheiden zu können: zu vertrauen und zu riskieren, enttäuscht zu werden; nicht zu vertrauen und den Dingen ein Ende zu setzen.

Und in den vermeintlich komplizierten Fällen gilt: Wer die Vertrauenskarte spielt, der riskiert, wer sie auf der Hand behält, hat schon verloren.

Ich weiß nicht, ob er wirklich verstand, was ich ihm sagen wollte, ob sie einsah, dass er bereits an jenen Punkt gekommen war, an dem Vertrauen alle Vermeintlichkeiten schlägt, oder eben nicht. Auf jeden Fall sagte er mir gerade beim Frühstück, dass er sich dazu entschlossen habe, sich abzusetzen, den Sonntag allein zu verbringen. Ich dagegen machte mir einen Kaffee, brachte mein iPhone zum Laufen und setzte eine Nachricht ab:

„Ich vermisse dich. Hab nen schönen Sonntag.“ Und das fühlte sich richtig an.

Ich kann nicht behaupten, dass ich es mir immer einfach gemacht habe. Speziell in dieser Vertrauensfrage. In eine Sache, in eine Zukunft, in mich selbst – und vor allem in diesen einen Menschen. Inzwischen schon. Weil ich vertraue, oder es zumindest will.

Genießt das Restwochenende,

Brad Unterschrift

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