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Mein Herz tanzt: Verliebt in Hamburgs Regen-Beats

Veröffentlicht: Montag, 4. November 2013

Kannst du tanzen? Ich meine so richtig. So richtig arschgeil mit dem Arsch wackeln und bangen wie Beyoncé – oder die Leute auf dem Wacken? Waka Waka wie Shakira, auf dem Rasen wie Khedira oder einfach cool durch Hamburgs Straßen: Wenn du tanzen kannst, nimmst du das Leben wie die Beats aus deinen Headphones: am liebsten hart und dreckig. Weil Kuschelrock für Kinder ist, und du nie komatös kuscheln würdest, wenn du mit Karacho im Club landen könntest, wo die Kids schon mit ‘nem Harten auf dein Kommen warten. Wenn du tanzen kannst, so richtig, ist das Dasein easy wie Cro. Doch ich hatte keinen Flow mehr. Ich hatte Gips an den Füßen.

Die Leute sagen, dass uns die Liebe das Tanzen lehre. Laber! Dann wäre ich bereits Primaballerina im Bolschoi-Theater. Die Liebe lehrt uns vieles. Vor allem Schlucken. Aber eben nicht Charleston und Boogie Woogie. Denn sie ist nicht mehr als ein Eiertanz. Und für Rumeiern gab es noch nie einen Preis. Zumindest keinen heißen. Also entschloss ich mich, die Liebe einfach wegzulassen. Ich wollte keinen Wiener Walzer mehr. Ich wollte rocken, durch die Straßen, durch den Regen, durch die Nacht. Also tanzte ich auf einer anderen Hochzeit.

Vielleicht war es der Dauerregen, der den Gips von meinen Füßen löste. Vielleicht war es auch nur die Einsicht, dass es in Wahrheit nicht die Liebe ist, die uns tanzen lässt, sondern das Leben. Der Beat aus dem Herzen, den wir immer dann überhören, wenn wir aufhören, vor allem für uns selbst zu tanzen und vor allem auf den Hochzeiten der anderen oder auf unserer Traumhochzeit unterwegs sind.

Ich tanzte weiter durch die Straßen. Allein. Doch ich weinte nicht. Es war nur der Regen, der von meiner Oberlippe tropfte. Weil ich lachte, denn das Leben hatte mich zurück. Ab diesem Augenblick. Als ich einsah, wie weit ich gekommen war – und wohin. Nach 14 Monaten war ich wirklich in Hamburg angekommen. Diesmal war es nicht einfach die Liebe, die mich tanzen ließ. Es war die Liebe zu dieser Stadt, die mich durch die Hölle in den kühlenden Regen geschickt hatte, die noch immer klang wie eine Melodie. Denn die Sounds aus Hamburg Beach, die sind sweet, sweet, sweet. Schließlich wusste schon Störtebeker, dass der Norden rockt. Auch ich hatte angedockt.

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Als ich gerade an meiner Haustür ankam, war ich klatschnass von Kopf bis Fuß und hätte trotzdem weiter durch den Regen tanzen können. Einfach weiter, Pflasterstein um Pflasterstein, durch Pfützen und Dreck, leichtfüßig über Pfade und Straßen. Meinetwegen nackt. Weiter nach vorn mit Wind von hinten. Immer weiter mit Beats auf den Ohren, Blödsinn im Kopf und diesem Blubbern im Bauch, das ich normalerweise erst nach dem dritten Drink im Club bekomme.

Die Zeit der Freudentänze hat begonnen. Und die tanzt man in Hamburg zumeist im Regen. Erwartungsgemäß. Standesgemäß. An der Alster und am Elbstrand, am Millerntor und bei jedem Tor des HSV, von Harburg bis Hamm, am Hafen und in der Hafencity. Oder sonstwo. Heute auf dem Heimweg. Wenn auf dem Weg zwischen Bahn und Haustür abends keiner zusieht, tanze ich manchmal besonders wild. Und willig. Weil mich das Leben nicht hatte im Regen stehe lassen. Weil es mich wieder tanzen ließ.

Put on your red shoes,

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