schimmer

Die Schönste im ganzen Land

Veröffentlicht: Montag, 3. November 2014

Es hat mir das Herz gebrochen zu lesen, wie du dich wirklich siehst. Weil ich dich anders sehe. Nicht als die, die heimlich auf der Toilette heult, weil das leichter ist als da draußen sein Gesicht zu verlieren; nicht als die, die sich hinter dem perfekten Lächeln versteckt, weil sich das tief drinnen immer noch besser anfühlt als einen unkontrollierten Gefühlsausbruch zu riskieren; schon gar nicht als die, die nur auf Zeit da ist, „als Vertretung“, wie du schreibst, weil sie austauschbar sei.

Ich schreibe dir das, weil nichts von dem wahr ist – und alles falsch. Vielleicht auch, weil es mich unglaublich wütend macht. Vor allem, all das zu lesen. Von dir. Sie haben dich gefragt, wie es sich anfühle, immer wieder gehen zu müssen. Ich habe mich gefragt, warum du ihnen nicht gesagt hast, dass es sich gut anfühlt. Weil Menschen wie du nicht bleiben müssen, wo sie nicht erwünscht sind. Nicht, weil sie nichts können. Nur, weil sie mehr können. Und mehr wollen im Leben. Oder längst mehr haben.

Doch in der Hitze dieses Moments bist du lieber auf die Toilette geschlichen und hast mir geschrieben. Dass du mal gebrannt hast, dass du mal leidenschaftlich warst – und dass du dich heute selbst nicht mehr siehst. Hinter all dem, was du dir auferlegt hast, um zu funktionieren. Dabei funktioniert dieses Lebensmodell für dich gar nicht.

Du bist nicht das Fähnchen im Wind. Du bist ein Orkan. Du bist nicht das Mauerblümchen. Du bist die Orchidee. Und du bist schon gar nicht die Vertretung. Du bist die Idealbesetzung, verdammt! Für so viele Menschen, die du begeisterst, wenn du in einen Raum kommst und einfach du selbst bist. Selbst wenn du mal nicht perfekt lächelst. So wie du mich damals eingenommen hast. Weil ich dein perfektes Lächeln schon im Moment durchschaute, in dem du durch die Tür kamst; weil ich dahinter viel mehr sah.

Es gibt diese Tage, an denen wir uns nur verzerrt sehen. Und das ist okay. Weil uns immer irgendjemand einen Spiegel vorhält. Gerade an Tagen, an denen du dich selbst nicht richtig siehst, sehen dich die Menschen, die dich lieben, umso deutlicher. Manchmal in deinem Leiden, aber immer in all der Schönheit, die dich ausmacht. Mit all dem, was dich zu mehr macht als einer Vertretung für irgendjemanden, der einen Raum nie so glanzvoll füllen könnte wie du.

Du schreibst mir immer diesen Esprit zu, diesen Charme und dieses Kämpferherz. Und immer, wenn ich dir genau das von mir zeige, halte ich dir in Wahrheit einen Spiegel vor.

Du weißt, ich habe zuletzt viel Zeit am Schreibtisch verbracht, um Liebeserklärungen zu schreiben. Das ist auch eine.

Herz drum, fertig.

Maryanto

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