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Der Wir-Virus

Veröffentlicht: Mittwoch, 11. Juni 2014

Stell dir vor, du hängst mit einem Ich rum, das sich plötzlich komplett umkrempelt und zum Wir wird. Besser: mutiert. Wie Romeo und Julia. Oder Brangelina. Dann schaust du dich ganz schön um. Spätestens, wenn das Wir neben dir sitzt und auf deine Einladung zu Wirsing-Hack-Auflauf am Samstag Sätze wie, „Wir haben am Wochenende schon was vor“, sagt. Oder andere Wir-Sätze. Wie: „Wir wollen couchen.“ Oder: „Wir sind schon mit einem anderen Pärchen zum Spiele-Abend verabredet.“ Abartig…

„Wirklich schade“, antwortest  du dann, während du dem Wir einen Einlauf ersparst und heimlich denkst: „Wow…“ Aber sagst: „Vielleicht können wir nächste Woche was zusammen machen. Oder übernächste. Also ihr und ich!“

Ich kam nicht umhin mich zu fragen: Warum breitet sich das Wir jedes Mal schneller aus als das Nichts in der Unendlichen Geschichte – nämlich wie ein wirkungsvoller Virus? Und gibt es wirklich nichts, das dagegen hilft außer die direkte Konfrontation?

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Mir war als wäre das Wir wieder in meine Leben zurückgekehrt. Nur lag es nicht in meinem Bett, sondern in seinem, beziehungsweise in ihrem. Manchmal das ganze Wochenende.

Ich saß zuhause, kochte meinen Wirsing mit Hack und wollte Gehacktes aus ihm machen. Weil es wieder nötig war, sich Time-Slots zu reservieren, um dem Wir die banalen Probleme des Ichs zu präsentieren, beziehungsweise mit dem Ich zu konfrontieren. Dem alten Ich.

Ich war gerade dabei, das Kartoffelpüree zu probieren, das ich wirklich wütend gestampft hatte, während das Wir wieder nicht ans Telefon ging. Da ging mir ein Licht auf: In Wahrheit war gar nicht das Wir das Problem, sondern das Ich. Weil wir instinktiv versuchen, uns die besten Time-Slots zu buchen, wenn es um unsere Freunde geht – oder um Wirsing-Hack-Auflauf. Manchmal so sehr, dass wir vergessen, welch große Freude unsere Freunde am wiederentdeckten Wir haben.

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Also habe ich meinen Stolz runtergeschluckt, den Wirsing allein gegessen und einfach mal vergessen, dass ich der Mittelpunkt der Welt bin. Meiner Welt. Und hoffentlich irgendwann auch seiner. Weil wir insgeheim alle versuchen, aus dem Ich ein Wir zu machen. Wie Romeo und Julia. Oder Brangelina. Oder Brad und der eine Hanseate, für den ich jeden Tag in der Küche stehen würde, um Hack zu machen. Meinetwegen auch Wirsing – außerhalb aller Dichterei.

Welcome to the family,

Brad Unterschrift

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