Berlin City Boy

Traummann

Veröffentlicht: Montag, 7. Mai 2012

Mein Traummann ist 31 Jahre alt, 185 Zentimeter groß, hat dunkle Haare, einen Dreitagebart und das umwerfendste Lächeln seit Julia Roberts in „Pretty Woman“. Wir sehen uns etwa alle 8,5 Tage, zumeist in einer Bar, manchmal noch auf einen Kaffee bei mir, wenn die Kellnerin uns mal wieder zu verstehen gegeben hat, dass sie gern nach Hause gehen würde.

Das Beste: Ich bin nicht einmal verliebt. Das Flirten haben wir bereits letzten Sommer aufgegeben. Jedes Mal, wenn ich beobachte, wie er unbewusst mit seinem Bizeps spielt, während er mir von seiner Woche erzählt, bereue ich das. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn das ist das Schöne an den Traummännern und Traumfrauen, die vielleicht seit zwei Semestern permanent in unsere Präsentationsgruppen gelost werden, die jeden Morgen mit uns in den Schulbus steigen, die wir im Büro seit Jahren anschmachten: Sie funktionieren am Besten, wenn wir uns abends im Bett die Decke über den Kopf ziehen und einfach von ihnen träumen. Wer seinen Traumpartner aus dem Land der Träume in die Realität holt, setzt sich immer der Gefahr aus, aufzuwachen.

Manchmal denke ich trotzdem noch daran, wie angenehm es war, bei einem Film neben dir einzuschlafen. Benebelt. Als du mich zuhause abgesetzt hast, dachte ich: Gut so. Ich bin ins Bett gegangen, habe mir die Decke über den Kopf gezogen und mich gefragt, warum ich so auf deine Arme abfahre. Dann habe ich gelächelt und bin eingeschlafen.

Ihr merkt schon: Der Ton hat sich gewandelt. Nicht, dass ich den frustrierten Liebeskummertexten aus early 2011 nachtrauern würde. Andererseits, das habe ich heute einem frisch getrennten Kumpel episch referiert, kommt die Zeit, in der die Augen sich wieder einen anderen Fokus suchen als Schokolade, und die Ohren bei Céline Dion anfangen, genervt mit dem Fell zu trommeln. Genau das ist der Moment, in dem „All by myself“ von der selbstmitleidigen Therapiehymne zur frohen Botschaft über drei Oktaven wird. Gleichzeitig sehen die Augen endlich ein, dass nicht nur Schokolade süß ist und die Hormone auf Trapp bringt.

Ich sage nicht, dass es falsch ist, sich ein Herz zu nehmen und nach Traummännern und Traumfrauen zu greifen als wären sie die Sterne. Ich habe gestern selbst schwer mit mir gekämpft, nicht zufällig diese Arme zu berühren, während ich von meiner Woche erzählt habe. Vielleicht weil die großen Traummänner manchmal die Funktion ändern, die wir ihnen zuschreiben. Vielleicht aber auch, weil manche Menschen zu traumhaft sind, um sie an die Realität zu verschwenden. Herz drum. Fertig.

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Und wenn du doch nochmal mein Innerstes öffnen willst: Du kennst ja jetzt das Passwort :-)

Damit gebe ich weiter ans Sandmännchen. Und ihr: Sleep tight,

mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Carmen am Montag, 7. Mai 2012

    Letztens war ja das Thema, dass deine Essays wie Musik sind. Deshalb ist der meine kleine Nachtmusik für heute. Süß und wahrhaftig.

  2. Gepostet von Dennis am Montag, 7. Mai 2012

    man kann erahnen, wer gemeint ist. und das macht den text so unglaublich goldig. dickes like aus der nachbarstadt

  3. Gepostet von Jules am Montag, 7. Mai 2012

    lächelt

  4. Gepostet von Susa am Montag, 7. Mai 2012

    “Vielleicht aber auch, weil manche Menschen zu traumhaft sind, um sie an die Realität zu verschwenden.” Wunderbar <3 Mir gefällt der neue Ton!

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