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Der Tod kam uns zuvor

Veröffentlicht: Montag, 9. November 2015

Hey Tanja, das letzte Mal hörte ich im Mai von dir. „Lieber Mary! Ich liege schon seit drei Monaten im Krankenhaus und warte auf eine neue Leber“, schriebst du. Du hättest es leider versäumt, dir zu deinem Geburtstag nur wenige Tage zuvor mein Buch zu kaufen. „Aber ich wünsche dir viel Glück. Auch für deine Lesetour! Mach weiter so!“

Wie das Leben so ist, vergaß ich diese Nachricht, auf die ich im Stress nur in kurzen Sätzen antwortete, wieder. Das tut mir heute Morgen so unendlich leid. Denn du warst eine meiner begeistertsten Leserinnen. Bis ich wieder von dir las. Gestern, in einer Facebook-Statusmeldung. Dass du den langen Kampf verloren hättest, dass du ohne Schmerzen eingeschlafen seist. „Behaltet sie in Erinnerung, wie ihr sie kanntet!“, textete dein Bruder. Ich las seinen Schmerz.

Seine Statusmeldung hat mich getroffen. Obwohl wir uns nicht mal kannten. Nicht im realen Leben. Aber du kanntest meinen Schmerz. Weil du ihn aus jeder Zeile gelesen hast, so oft. Wenn ich frustriert zuhause vor dem PC saß und den Liebeskummer mit dem Schreiben zu töten versuchte. Oder anderen Kummer. Zum Beispiel die Trauer über Freunde, die nicht mehr leben. Zum Text „Held“ schriebst du mir damals:

„Zu ‘Held‘… Ich sitze hier und weine. Schön geschrieben. Da ich schon zweimal transplantiert bin, und hoffe. Ich bin dankbar, dass es vielleicht so jemand wie dein Freund Jan ist, dem ich meine zwei Leben zu verdanken habe, auch wenn es schmerzhaft ist… Du hast die besten Freunde und du bist ein guter Freund. Gute Nacht.“

Heute bin ich derjenige, der ‘hier sitzt’ und weint. In Gedanken an dich, die diesen Blog gelesen hat, als ihn noch niemand kannte. Du hast mir nicht nur oft auf den verschiedenen Kanälen Feedback gegeben. Als ich Fanbilder zur WM 2014 gesammelt habe, hast du mir natürlich ein wunderschönes geschickt, ganz selbstverständlich, wie viele andere auch. Eines, das so wunderschön strahlte. Vor Lebensfreude. Du hast mir Fotos aus deinem Urlaub in Florenz geschickt, oder mir von deinem Leben als Single erzählt, wahrscheinlich um mich zu trösten.

Zur WM► http://bit.ly/SchlaaaaaandSexy Fans► http://bit.ly/SexyFansBunte Fans► http://bit.ly/BunteFansVerrückte Fans► http://bit.ly/CrazyFans_

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Samstag, 7. Juni 2014

Beim 3:0 strahlen diese herrlichen Hessinnen umso schöner gegen den grauen Himmel an! Die Freundinnen wissen allerdings,…

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Dienstag, 8. Juli 2014

 

Daran musste ich gerade denken. Vier Jahre lang hast du mir in wichtigen Situationen die Daumen gedrückt, obwohl du mich nicht kanntest. Ich habe das hingenommen. Einfach so.

In drei Stunden muss ich in den Zug Richtung Frankfurt, wo endlich jene Lesetour beginnt, über die du im Mai sprachst. Aber ich sitze hier und heule. Weil ich irgendwie gehofft hatte, dass wir uns mal persönlich kennen lernen. Zuhause in Hessen. Eigentlich wollte ich mich morgen bei dir melden und dich persönlich einladen. Das ist im Stress der letzten Wochen untergangen. Wie so vieles.

In diesem Moment sitze ich hier und schäme mich. Für meine Luxusprobleme. Für das ewige Drehen um Jobs und irgendwelche Typen, die mich scheiße behandeln. Und ich frage mich, warum immer die verfickten Arschlöcher alles überleben und immer weiter kommen, doch die Menschen mit guten Herzen einfach so sterben. Mittags. Unbemerkt von vielen. Die, die sich immer diese Fröhlichkeit bewahrten, selbst in dunklen Zeiten, die diese Fröhlichkeit mit anderen geteilt haben. Manchmal nur in Facebook-Nachrichten. Zum Beispiel mit mir.

Ruhe in Frieden. Ich hoffe, dass es dir da oben gut geht. Ich werde an dich denken, wenn ich heute Nachmittag die hessische Heimat betrete, die du so geliebt hast wie ich. Es ist mehr als notwendig, dass du endlich Teil dieses Blogs bist.

Maryanto

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