Kacke

Mein/Dein/Euer Kackvogel! – Er steht einfach nicht auf dich!

Veröffentlicht: Freitag, 28. Juni 2013

Schreibt doch mal wieder eine SMS. Eine iMessage. Eine WhatsApp-Nachricht. Eine nette. Oder überhaupt eine. Denn irgendjemand da draußen wartet bereits mit leuchtenden Augen auf die nette. Oder mit geballten Fäusten auf überhaupt eine. Ich habe sie warten gesehen. Als ich fast aufgehört hatte, zu warten. Gestern. Auf der Fahrt ins Land der van der Vaarts: Eppendorf.

Trotz Sylvie und Sabia: Ich dachte im Westen der Stadt wäre alles besser. Die Laune, die Lebensqualität, die Liebhaber. Im Osten dagegen nicht Neues. Schon gar nicht, was unser Lieblingsthema betraf. Glücklicherweise war auf dem Weg vom Berliner Tor zum Eppendorfer Baum viel Zeit für unsere Lieblingsbeschäftigungen: leiden. Außerdem iMessages interpretieren – beziehungsweise deren Ausbleiben. Und ausführlich aufregen. Vor allem über uns selbst, weil unsere Lebensqualität mal wieder von den Launen unserer Liebhaber bestimmt wurde.

Zwischen aufgeregten Gesprächen immer wieder der unauffällige Blick auf die iPhones. Das wahnsinnige Warten auf ein Klingeln, ein kurzes Vibrieren, auf den weißen Balken. Die Welt auf zwei Displays. Die Nachrichtenverläufe Stationen zweier Leidensgeschichten – in einheitlichem Blau gehalten. Heißt: sehr einseitig. Stöhnen. Augenrollen. Aufregen!

Ton in Ton

Das Kommen und Gehen im Abteil ging völlig an uns vorbei – bis ein schriller Schrei neben uns die allgemeine Unruhe unterbrach. „Was soll ich jetzt antworten? Du Kackvogel?!“ Stille.

Und als ob gerade eine Liebeserklärung per iMessages eingegangen wäre, wurde plötzlich aus Stille Staunen und aus Leiden Lachen. Auf beiden Seiten. „Du kriegst wenigstens noch ‘ne Antwort“, habe ich gerufen. „Trotzdem ein Kackvogel“, resümierte die Frau mit den Federohrringen lachend. „Richtig, ein richtiger Kackvogel“, reagierte ihre Freundin mit dem Bubi-Kopf schnell. Zwei Brünette, eine Meinung. Der Rest war Lachen. Lautes Lachen. Befreiendes Lachen. Denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Und in Großstädten darf man das auch mal mit fremden Frauen teilen.

Wir verließen die U3 mit der Vermutung, dass mehr Menschen als gedacht im gleichen Boot sitzen. Mehr als wir meinen, wenn wir zuhause weinen, weil das Klingeln, das kurze Vibrieren, der weiße Balken ausbleiben. Zum Beispiel Menschen, die in unserem Abteil sitzen. Aus der Abteilung frustriert. Und das ist die gute Nachricht des gestrigen Abends: Die Stadt ist voller toller Singles. Wir müssen sie nur noch erkennen. Wahlweise am nervösen Blick auf ihr iPhone – oder ihrer Fähigkeit, aus Leiden Lachen zu machen.

Tschüss ihr Kackvögel“, haben die Mädels lachend gerufen als wir ihr Abteil verließen. „Viel Glück“, haben wir gerufen. „Mit den Jungs und überhaupt.“ Ich habe Angela noch zu ihrem Date in eine chice Eppendorf-Bar begleitet. Dann ging ich zu meinem. Heute Morgen die SMS:

Kacke

Merke: Wer Kackvögel vögelt, verliert. Hoffentlich nicht die Fähigkeit, aus Leiden Lachen und irgendwann eine Liebeserklärung zu machen.

Ich habe das Problem jetzt zeitsparend und wenig lyrisch gelöst:

Kackvogel

Danke, Frau mit Federohrringen!

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Lasse Holstenbeck am Freitag, 28. Juni 2013

    lol bei mir war es die Croque-Frau auf der langen Reihe! der sollte ich auch mal n text widmen…

  2. Gepostet von Brad am Freitag, 28. Juni 2013

    solltest du. weil nichts ist inspirierender als das wahre leben (von frustrierten großstadtsingles 30+)

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