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Der Fuckbuddy III

Veröffentlicht: Montag, 12. September 2016

Was folgte, war eine lange Pause. Immerhin verriet mir der Messenger, dass er gerade etwas schrieb, und schrieb, und schrieb. Statt eines Romans kamen später nur drei Worte bei mir an. „Könnte gerade heulen.“ Obwohl wir uns über die Jahre aus dem Blick verloren hatten, wollte ich mitweinen. „Weißt du, du  bist ein toller Typ“, antwortete ich schließlich, „wahrscheinlich einer der besten, die ich kenne.“

Ich erinnere mich noch genau, wie wir uns kennen gelernt hatten. Wir waren im selben Fitnessstudio und in der gleichen Lebenssituation. Nur, dass seine Beziehung noch wuchs – und mir meine inzwischen nur noch über den Kopf. Drei Monate später war ich endgültig getrennt – und von ihm zumindest sechs Tage die Woche. Meistens sahen wir uns dienstags. Auf eine Pizza, zwei Bier und drei Stunden Liebemachen.

Ich machte mir nichts vor. Für mich war es mehr als Sex. Denn er war wirklich einer der tollsten Typen, die ich bis dato kannte – und gefühlt für immer in einer Beziehung. Wäre er nicht der perfekte Liebhaber, Spaßmacher und Gesprächspartner in einer Person gewesen, hätte ich das Ding wahrscheinlich beendet. Aus eben diesem Grund. Der Grund, warum wir es wirklich beendeten, war Freundschaft. Und wenn ich den Text über diesen Tag heute lese, wird mir noch immer warm ums Herz.

Wenn du dein Backup brauchst

An diesem Donnerstagabend hatte ich mir mal wieder das Herz brechen lassen. Diesmal von meinem Handy, von dem ich kein Backup gemacht hatte, bevor es sämtliche iMessages direkt ins digitale Nirwana schickte – darunter die dreieinhalb Jahre meines Lebens, die ich an dem Mann hing, von dem ich dachte, ich müsse mein Leben mit ihm verbringen.

Ich brauchte ein Backup. Der Verlust des verliebten Chatverlaufs hatte mich derart aufgewühlt, dass ich mir das Handy geschnappt und dem Ex geschrieben hatte. „Habe so lange nichts von dir gehört. Manchmal frage ich mich, wie es dir geht, was du gerade machst.“ Dann eine lange Pause. Aber keiner schrieb.

Ich wusste, dass keine Antwort kommen würde. Heute nicht und nicht an Weihnachten. Deshalb setzte ich eine zweite Nachricht ab, diesmal in eine andere Stadt. „Hey, ich habe was Dummes gemacht. Aber niemandem umgebracht! Ich musste gerade einfach jemandem schreiben, den ich toll finde.“ Auf seine Antwort musste ich nicht lange warten.

Sechs Jahre war es her, dass wir uns begegnet waren, vier Jahre, dass wir das Bett gegen den gefällten Baum am Main getauscht hatten, wo man sich in Sommernächten wie dieser immer wunderschön über das Leben unterhalten konnte, zwei, dass wir uns zum letzten Mal gesehen hatten.

Ich hatte ihn nie vergessen. Allein, weil sein Name seit dem ersten Tag das Log-In-Passwort für diesen Blog ist. Und immer, wenn wir uns später sahen, hatte ich noch ein wenig Herzklopfen. „Scheint dich ja sehr zu beschäftigen“, kommentierte er den Rückfall in mein altes Liebesleben, „ich gehe dieses Jahr durch die höchsten Höhen und tiefsten Tiefen und hoffe, dass irgendwann alles vorbei ist. Der Job hält mich am Leben. Wir haben uns offiziell getrennt.“

Mich trennen etwa zehn Minuten vom Hamburger Hauptbahnhof. Trotzdem fuhr ich nicht spontan in die Hauptstadt. Stattdessen schrieb ich, was ich in diesem Moment dachte: „Das tut mir wirklich leid.“ Das war ernst gemeint, obwohl ich zwei Jahres meines Lebens täglich mit der Frage ins Bett gegangen war, warum ER ihn hat – und ich nur dienstags.

Es gibt diese Fickfreundschaften, die in Belanglosigkeit enden, oder schlimmer – in schlechtem Sex. Wir waren nach dem Fick meines Lebens direkt in die „Friends Zone“ gegangen und sind seither dort geblieben. Immer, wenn ich beruflich nach Berlin musste, standen privat er und Nike-Town auf dem Programm. Das hat mir immer gut getan. Deshalb hätte ich in diesem Moment gern irgendwas getan, damit es ihm wieder gut geht.

Das Wasser geht den Fluss hinunter

Manchmal sitze ich abends auf einem Poller an der Elbe, schaue aufs Wasser und denke nach – und in diesen Momenten auch immer kurz an ihn. „Weißt du, es wäre schön, könnten wir jetzt auf dem Baumstamm am Main sitzen und die ganze Nacht quatschen. So wie früher“, ließ ich ihn wissen. Dann: „Weißt du, du  bist ein toller Typ. Wahrscheinlich einer der besten, die ich kenne.“

Wir entschieden uns, schlafen zu gehen. Im Bett schaute ich mir auf seinem Facebook-Profil Bilder an. Dieselben Bilder, die ich mir vor sechs Jahren abends vor dem Einschlafen immer angesehen hatte, während ich davon träumte, ihn irgendwann zu heiraten. Heute würde ich ihn einfach gern wiedersehen, um ihn kurz in den Arm zu nehmen, und um zu reden. Über all das, was passiert ist, seit er nicht mehr mein Dienstags-Date ist, mein emotionales Backup bei Beziehungsstress, mein Baumbeisitzer.

„Du bist immer noch in meiner ewigen Männer-Top-Drei“, setzte ich nach. Und nach einer weiteren Pause vorsichtshalber: „Das sollte keine dumme Anmache sein.“

„Mach dir keinen Kopf. Genauso habe ich es verstanden.“

Bis ich die Augen endgültig schloss, dachte ich nicht mehr an Max. Nur noch an die Nächte am Main mit ihm. So blieb er, was er immer war: Mein Dienstags-Date am Donnerstag – und einer der tollsten Typen, die ich geküsst habe. Wie gern würde ich ihn wiedersehen. Weil mir das gut tun würde. Nach diesen Scheiß-Jahren.

Also scheißt auf Ficken, wenn Freundschaft das Einzige ist, das ihr bekommen könnt – und das Beste!

Berlin calling,

kurz-unterschrift11

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