Sex and the Baby

Das Leben der anderen: SATB

Veröffentlicht: Samstag, 24. Mai 2014

Die Menschen, die ich kenne, sind im Schnitt etwa 29 Jahre alt und haben entweder Sex and the Baby (SATB) oder Sex and the City (SATC). Als ich gestern auf Facebook wieder mal bemerkte, dass der eine Teil dieser Menschen gerade in Reihenhäuser zieht und sonntagmorgens Ringe tauscht, während der andere um die Häuser zieht und samstagabends Telefonnummern tauscht, fiel mir auf, dass ich viel häufiger und intensiver mit Menschen aus zweiter Kategorie verkehre.

Verunsichert schrieb ich einem Kumpel um 08.46 Uhr aus der U2 Richtung Jungfernstieg:

Irgendwie unglaublich, dass Dating in meinem Leben eine so große Rolle spielt. In dieser Zeit hätte ich längst ein Haus bauen können. Ich sehe jeden Tag online, dass meine Freunde von früher Kinder haben und aufs Land ziehen. Und ich führe offline das SATC-Leben mit Prachtkerlen und Partys. Manchmal ist das komisch.“

Die Antwort kam um 08:47 Uhr irgendwo am Rande der S1 in Hamburg-Nord:

Joah, so beobachte ich das auch. Freunde heiraten, bekommen Kinder oder Häuser und Hunde. Ich habe den SATC-Weg gewählt… Gefällt mir ganz gut.“

Ich antwortete um 09:02 Uhr aus der S31 vom Dammtor. Latino-like mit Jennifer Lopez: „Dance, yes! Love, next!“ Und obwohl mich seine Antwort beinahe beruhigte, kam ich nicht umhin mich zu fragen. In welchem Moment entscheiden wir uns für den einen Weg oder den anderen – beziehungsweise: Nimmt uns das Leben die Entscheidung ab?

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Es gab im letzten Jahr immer wieder diese Momente, in denen ich ernsthaft von einem Haus mit Reetdach, mit ihm und seinem Hund irgendwo in Schleswig-Holstein geträumt habe. Da sagten die Menschen, mit denen ich verkehre, einstimmig: „Du würdest das höchstens zwei Wochen lang aushalten. Du gehörst in die Stadt.“

Ich glaube, sie haben Recht. Früher glaubte ich mal, ich wäre der Bauernhof-mit-vier-Kindern-Kind-of-Guy. Bin ich aber nicht. Weil bei mir nicht einmal Basilikum überlebt. Wie sollte das ein Kind schaffen? Oder vier? Oder Obstbäume? Also lieber „Hot child in the City“ als „Pitiful am Plöner See“ oder so.

Ich glaube, ich habe die Entscheidung gegen SATB und für SATC vor drei Jahren getroffen. Als ich nach der Trennung von der Liebe meines Lebens vier Monate nichts anders tat als zu arbeiten und abends darüber nachzudenken, ob es wirklich so schlimm wäre, mal nicht in einer Beziehung zu sein, sondern einfach allein. Deart intensiv, dass ich nicht mal das Bedürfnis hatte, mich mit Prachtkerlen und Partys zu trösten. Ich war untröstlich. Irgendwann kam ich klar.

Kurz bevor ich diesen Blog startete, bin ich aufgewacht, und habe so etwas gedacht wie: „Dance, yes! Love, next!“ Weil ich es mit mir selbst ganz gut eingerichtet hatte. Und das irgendwie genug war. Bis ich eben ihn traf und mich schon im Reihenhaus sah – und damit in einer Reihe mit meinen SATB-Freunden.

Interessanterweise scheint uns immer das besonders attraktiv, was die anderen besitzen. So wird das Leben der anderen schnell zum Idealbild stilisiert und später zum Feindbild. Nur um zu verhindern, dass wir am eigenen Neid auf das Leben der anderen ersticken. Denn wer SATC hat, will immer ein wenig mehr SATB – und umgekehrt. Beide Fraktionen richten sich das Leben so gut es geht ein – mit Ausflügen in die eine oder andere Richtung.

Wahrscheinlich ist es richtig, dass SATC-Menschen weniger häufig Häuser aufbauen als intensive Freundschaften. Als Ersatzfamilie oder Absicherung für die Alters-WG und so auf ihre eigene Art Cocooning betreiben.

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Wer in einer Metropole mit 9,5 Millionen Einwohnern geboren wurde, dem liegt SATC wahrscheinlich in den Genen. So hörte ich um 16:36 Uhr auf mich zu grämen und schrieb eine SMS an einen Ort kurz vor dem Ende der S3: „Wir müssen uns schnell sehen!“

Meine SATC-Freunde werden Verständnis haben, obwohl das natürlich total dämlich war. Aber wie sagt man so schön: The family that plays together, stays together. Gilt auch in Ersatzfamilien. Übrigens selbst für meine SATB-Freunde. Weil die ja irgendwelche spannenden Geschichten aus der Großstadt brauchen, wenn abends mal nichts im Fernsehen läuft. Läuft!

I am the City – you let me be. Und im nächsten Leben startete ich einen Mami-Blog.
Versprochen,

Brad Unterschrift

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER

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