Nadine Kolackovsky: Seaside

Dankbarkeit

Veröffentlicht: Dienstag, 10. Dezember 2013

Manchmal erreichen wie sie wirklich, die kleinen Inseln. Die kleinen Inseln mitten im Strom. Vielleicht seltener als wir sie uns herbeiwünschen, aber immer wieder. Immer dann, wenn wir für einen kurzen Moment Abstand nehmen. Von allem was uns sonst mitreißt – zu neuen Höhenflügen oder alten Abgründen, zu hohen Zielen oder niederen Instinkten, instinktiv zum Guten oder zum Schlechten. Zumeist weg von den Säulen, auf denen wir stehen. Oder den Sachen, für die wir stehen. Weil wir uns meistens derart um uns selbst drehen, dass wir immer seltener sehen, wo wir sind. Meistens nur, wo wir hin wollen oder herkamen.

Take me to my beach. Foto: Nadine Kolackovsky

Take me to my beach. Foto: Nadine Kolackovsky

Dann kommt plötzlich der Moment, an dem wir eine dieser Inseln erreichen und durchatmen. Wenn wir erst auf festem Boden ankommen, fällt es plötzlich leichter, den eigenen Standort zu bestimmen und genau hinzusehen, wo wir wirklich stehen. Und warum. Ich hatte ein turbulentes Jahr hinter mich gebracht und ich hatte mich mitreißen lassen, manchmal auch niederreißen. Bis gerade eben war ich hin und her gerissen, ob ich ein gutes oder ein schlechtes Jahr hatte. Ob die Höhepunkte höher waren als die Tiefpunkte tief – wenn man Licht und Schatten überhaupt gegeneinander aufwiegen kann, versteht sich. Weil Schatten bekannterweise nur dort sind, wo Licht ist.

Wahrscheinlich liegt es in der Natur der Sache, dass plötzlich ein wenig Besinnlichkeit aufkommt, sobald wir das erste Licht des Adventskranzes anzünden. Jenseits der Religion. Einfach weil wir wieder spüren, dass sich ein Jahr dem Ende neigt und wir in Endphasen immer dazu neigen, zielgerichtet Resümee zu ziehen. Dann entscheiden wir, ob wir auf Kurs bleiben oder lieber die Kurve kriegen, bevor sich das neue Jahr mit dem alten kreuzt. Denn an jeder Kreuzung haben wir kurz die Wahl. Zumeist wählen wir den Weg zum nächsten Etappenziel, wo wir die nächste Insel wähnen.

Glücklich ist, wer diese Insel erreicht, und feststellt, dass er vielleicht Umwege gegangen, aber sicherlich auf dem richtigen Weg geblieben ist, sich freigeschwommen hat. Im letzten Jahr habe ich mich zweimal wie im falschen Film gefühlt, beziehungsweise in der falschen Rolle. Dieses Gefühl hat mich von der Rolle gebracht, nicht aber weg von der Route. Auch wenn ich das erst später verstanden habe – genauer gesagt gerade eben: Als ich mich dazu entschloss, an den Schreibtisch zu gehen und diesmal nicht darüber zu schreiben, wohin ich will, oder wen. Sondern einen Text über Dankbarkeit. Für all die schönen Dinge, die dieses Jahr passiert sind.

Könnte ich Licht und Schatten gegeneinander aufwiegen, wähnte ich mich genau jetzt auf der Sonnenseite. Und die ist gerade vor Einbruch des Winters wie eine Insel. Vielleicht die schönste, weil sie die viel beschriebene Insel der Glückseligkeit meint, die wir seltener erreichen als wir sie uns herbeiwünschen – aber immer dann, wenn wir uns nichts wünschen, sondern einfach glücklich mit dem sind, was wir haben. Hand aufs Herz: Wenn wir genauer darüber nachdenken, ist das meistens mehr als wir manchmal meinen.

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Heute ist ein weiterer Tag, um dankbar zu sein. Eigentlich sollten wir viel öfter dankbar sein. Gerade für die kleinen Dinge, die uns täglich wie Selbstverständlichkeiten erscheinen. Sind sie selbstverständlich selten. Sehr selten.

Nach uns die Sintflut, vor uns der Strom. Always.

Willkommen am Strand,

kurz-unterschrift11

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