Brads Weihnachtsgeschichte - Die neue Vollversion

I’m not Charles Dickens – But I have a dick & my own Christmas Carol!

Veröffentlicht: Freitag, 16. Dezember 2011

ENDLICH – Brads Weihnachtsgeschichte als Vollversion: Singles, die für sich selbst beten, richten ihr Jahr nach ihrem Geburtstag aus. Singles, die zu Jesus beten, programmieren ihren Smartphone-Kalender Richtung Weihnachten. Beide Ereignisse haben vor allem eins gemeinsam: sie solo zu durchlaufen fühlt sich ohne Bowle ganz schön bitter an – mit dem Unterschied, dass sich der Einsame an Heiligabend wenigstens glamourös mit Lametta erhängen kann. Ich kam nicht umher mich zu fragen: Warum knutschen die Idioten überhaupt unter dem Mistelzweig im Wohnzimmer? Können die nicht woanders angeben?

Alles begann an meinem 17. Geburtstag – in einem Dorf, in dem die Gänsekeule meiner Oma Rita den Gipfel der kulturellen Errungenschaften darstellte. Als die Gemeinde „O Heiland, reiß den Himmel auf“ anstimmte, öffneten sich vor allem meine Tränendrüsen. Denn er hatte Schluss gemacht. „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt“, konnte ich gerade noch mitschluchzen. Drei Zeilen später, bei „Komm, tröst’ uns hier im Jammertal“, war ich bereits zum Leiden Christi selbst geworden und konzentrierte mich auf das Erdulden.

Bis heute denkt Oma Rita, ich hätte vor religiöser Ergriffenheit geweint. Ich ließ sie in dem Glauben, denn Glauben beflügelt. Und versetzt Berge. Leider keine Völker. Denn eine neue Völkerwanderung ist wohl die letzte Hoffnung, doch noch Mister Right vor meine Haustür zu spülen. Sich unter einen Weihnachtsstern zu stellen und zu warten, bis drei Könige vorbei kommen, wäre dagegen völlig absurd. Und kämen sie doch, würde ich denjenigen nehmen, der den Weihrauch mit sich führt. Der Inhaltsstoff Incensol hat nämlich zumindest auf Tiere eine antidepressive Wirkung. Ich arme Sau!

Ich bin übrigens nicht der Einzige, bei dem die Gefühle in der Adventszeit fast so hoch kochen wie bei einem Designer-Sale. Bei Radiosendern und Telefonseelsorgestellen rufen zu keiner anderen Zeit des Jahres mehr Einsame an als an den Weihnachtsfeiertagen. Ich fragte mich, warum das so ist, und landete auf der Seite eines Beratungsnetzwerks, das mit dem Slogan „Schnelle Hilfe über das Internet“ wirbt.

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Schnell fand ich spirituellen Beistand („Einsamkeit ist nicht als etwas Gottgewolltes zu sehen“), Empathie („Einsame Menschen hat es immer gegeben“) und Rat („Es macht Sinn, aus der Not eine Tugend zu machen“). Obendrauf wurde gleich die richtige Stelle genannt, an der ich die Aufnahme neuer Beziehungen lernen kann, um zukünftigem Alleinsein vorzubeugen: die Volkshochschule – völlig ernsthaft! VHS gleich „Verzweifelter Haufen Singles“?

Anstatt auf Resterampenpartys zu tanzen oder Dating-Portale zu besuchen, hänge ich jetzt also an der Volkshochschule rum. Schließlich habe ich noch eine Woche Zeit, um einen Engel zu finden, der mich unter dem Christbaum auspackt. Am meisten Spaß machen mir die Kurse „Ausdruckstanz als Spiegel der Seele“ und „Star Trek-Kostüme selbst basteln“. Die Leute, die da mitmachen, sind nämlich noch frustrierte als ich.

Letzte Woche fragte mich die Dozentin meiner Klasse „Afrikanisches Trommeln“, ob ich eventuell Lust hätte, mir ihr ein paar Heuschrecken essen zu gehen. Frittierte. Ich sah das Verzweifelte in ihren Augen. Und schluckte. Also erklärte ich Berit, dass es immer einsame Menschen gegen habe, und dass ihre Einsamkeit nicht gottgewollt sei. Dann machte ich aus der Not eine Tugend und rannte zirpend aus dem Seminarraum. Ich kam nie wieder und betete zu Jesus, dass Berit keine Voodoo-Puppen herzustellen weiß.

Singles, die ihren Lebensrhythmus nach Designer-Sales ausrichten, würden zwar für vergünstigte Stücke aus der aktuellen Vogue den besten Freund über dem Abgrund hängen lassen, nie aber jemanden daten, der potenziell Traumfänger über dem Bett hängen haben könnte. Dann sich doch lieber glamourös mit Lametta erhängen.

All I want for Christmas is you!

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Warum Weihnachtsmärkte die Single-Hölle sind? – HIER!

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Weihnachtliches Flirten mit Darius KamadevaHIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Bettina am Freitag, 16. Dezember 2011

    Mensch BRAD, ergreife doch die Chance mit Berit ganz entspannt bei Ingwertee und ökologisch hergestellten Dinkelkeksen über Deinen Beziehungsfrust zu plaudern. Wenn SIE erst mal auspackt, wirst DU Dich besser fühlen… garantiert!!!

  2. Gepostet von Brad am Freitag, 16. Dezember 2011

    frag mich post-erkältung :)

  3. Gepostet von Milli am Freitag, 16. Dezember 2011

    Ach Häschen…

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