Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind

Buchtipp: Liebe aus dem Postfach

Veröffentlicht: Sonntag, 20. März 2011

Ich kenne tatsächlich Ex-Singles, die sich über eine klassische Kontaktanzeige in der Tageszeitung kennen gelernt haben. Heutzutage wirkt dieser Weg Richtung *Ding-Dong* Hochzeitsglocken allerdings etwas antiquiert. Es muss trotzdem nicht immer gleich ‘ne Dating-Plattform sein. Denn selbst in Zeiten von „Gruschelst du noch oder datest du schon?“ braucht es manchmal nicht mehr als eine simple E-Mail um den Flirt-Modus zu gelangen. Siehe Daniel Glattauers Roman „Gut gegen Nordwind“.

Fehler mit Folgen

Die Geschichte von einer Webdesignerin und einem Sprachpsychologen, die sich wegen einer falsch versendeten E-Mail zufällig kennen lernen, bringt ungefähr soviel Freude wie ein 500-DollarEinkaufsgutschein bei Abercrombie & Fitch. Als „einer der zauberhaftesten und klügsten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur“ ist das Werk des Wieners Glattauer ebenso vehement gelobt worden wie als durchweg „famoses Spiel über Fantasie und Einbildung.“ Kopfkino, Alter!

Der Briefroman im digitalen Zeitalter

„Gut gegen Nordwind“ – eine moderne Interpretation des klassischen Briefromans – ist als virtueller Gedankenaustausch in E-Mail-Format designt. Es ist mehr als ein Roman der Verheißung – es ist ein Roman der Hoffnung: Hoffnung für alle, die glaubten, dass die schöne Sprache längst in einem Blog auf der digitalen Datenautobahn begraben wurde. Mea culpa, Honeys! Aber eben auch Hoffnung für alle, die unserer Zeit bereits alle Romantik abgesprochen hatten. Und dazu gehöre ich nun wirklich. Glattauer erzählt nämlich nicht im klischeehaften Austausch von Belanglosigkeiten auf verbalem Fast- Food-Niveau.

Kommt das Blind Date?

To break it down for you: Leo und Emmi lernen sich wegen einer versehentlich falsch versendeten E-Mail kennen. Und jede weitere steigert die Spannung, ob sich die beiden begegnen werden. Manche sind nur drei Worte, andere ganze Seiten lang. Könnten die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung im „real life“ standhalten? C’mon everybody… Wer hatte bitte noch kein digitales Blinddate. Man verabredet einen Zeitpunkt und einen Ort. Und dann geht das so: „Bitte geh weiter, bitte geh weiter Bitte bleib stehen. Fuck, weiter gegangen…..“ Doch an diesem Punkt sind die beiden lange noch nicht.

„Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi! Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist!“, gesteht Leo.

Die Antwort folgt prompt: „Es sind Ihre Zeilen und meine Reime darauf: die ergeben so in etwa einen Mann, wie ich mir plötzlich vorstelle, dass es sein kann, dass es so jemanden wirklich gibt.“

Buch mit Suchtpotenzial

Auch ich habe mitgefiebert. Prickeln schlich sich ein. Wie heißt es auf Seite 20: „Ja, ich will! Bitte! Ich bin süchtig nach E-Mails von Leo!“ Und auf Seite 171: „Und ich würde gern einmal hören, wie Sie solche Sätze aussprechen, die sie in Ihren E-Mails schreiben. Schreien Sie die? Schrill? Kreischend?“

You know what? I’m JEALOUS!

Anyone got my E-Mail today?! ANYONE?

Mehr zu Daniel Glattauer auf seiner Homepage!

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