Lucky Girl glaubt an die Liebe

Briefe an Brad: Die Pärchenfraktion schlägt zurück

Veröffentlicht: Samstag, 26. November 2011

Vorsicht Solisten, Brechreiz! Es gehört nämlich viel dazu, auf einem Single-Blog von der fast makellosen Liebe zu schwärmen. Und mindestens zwei Absätze lang in der Dauerschleife die Wortkombination „Mein Freund“ rauszuhauen, ist mutig. Allerdings war dieser Brief an Yavi so rührend und fürsorglich, dass ich ihn einfach veröffentlichen musste. Die Verfasserin, die den Namen „Lucky Girl“ nutzt, will übrigens anonym bleiben. Damit ihr niemand den Lover ausspannt. WTF?! This is a story about a girl named LUCKY.

< Für Erstleser: HIER die Texte aus der Reihe “Briefe an Brad”. Enjoy! >

Liebe Yavi,

es sind nur noch wenige Wochen bis die Engelchen am Tannenbaum hängen und das Christkindelein in der Krippe darunter liegt – also lass‘ mich dir nun die frohe Botschaft verkünden: Genau dann, wenn du dich mit deiner Ich-AG so arrangiert hast, dass du die Suche nach demjenigen, der deine geheime Checklist für Mister Right zu mindestens – sagen wir – zu zwanzig Prozent erfüllt, dann, genau dann triffst du denjenigen, den du erst gar nicht als The One erkennst, weil du nicht mehr daran glaubst, dass es ihn gibt.

Auch ich habe eine sehr erfolgreiche Ich-AG geführt, nachdem ich mich einmal mit dem Gedanken abgefunden hatte, dass es…

a) Mister Right nicht für mich gibt

b) meine Ansprüche wohl doch zu hoch gestapelt waren und

c) ich doch eigentlich viel besser ohne Herzschmerz und Beziehungsstress auskomme. Und glaub mir, vom Jungunternehmen ist meine Ich-AG mit der Zeit zu einem etablierten, mittelständischen Betrieb geworden.

Aber vielleicht werfe ich zur Erklärung meiner aktuellen Gefühllage einen Blick zurück. Damals, in der Abiturzeitung, wurde ich wie folgt beschrieben:

“Bewacht wurde das Haus, in dem sie in Frieden mit ihrer geliebten Familie lebte, von einem starken, schwarz glänzenden, jedoch auch schwanzwedelndem Wachhund. Eben dieser behütete das zarte Wesen wie seinen eigenen Augapfel. Eine sagenumwobene Geschichte berichtet davon, dass dies der Grund dafür sei, das unsere Prinzessin Jahr um Jahr vergebens auf ihren lang ersehnten, blond gelockten Traumprinzen wartete. Bis in die heutige Zeit gelang es keinem Prinzen, sich bis zu ihr durchzuschlagen.”

Als dieser Text geschrieben wurde, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass es doch irgendwo denjenigen welchen geben müsste. Heute weiß ich, dass ich einfach nur nach der falschen Haarfarbe Ausschau gehalten habe. Aber je weiter ich mich vom Abitur entfernte desto weniger glaubte ich daran, dass es so etwas wie wahre Liebe gibt.

Ich gebe zu, dass ich damals wohl noch ein ziemlich verklärtes Bild von der Liebe hatte. Vier Jahre und genauso viele entdeckte und wieder verworfene Männer später sah das ganz anders aus. Meine Ich-AG hatte ihren Höhepunkt erreicht. Von Montag bis Freitag arbeitete ich daran, in der Redakteursriege Dtück um Stück empor zu steigen, am Wochenende ging ich feiern, um mir selbst zu huldigen. Mich im Tanzen zu verlieren, die Zeit zu vergessen und einfach nur mit der Musik und mir selbst im Einklang zu sein – ja, vor etwas mehr als einem Jahr war ich damit mehr als zufrieden. Es war ein angenehmes Dahinschwelgen, denn da ich ja nicht mehr glaubte, dass es The One gibt, musste ich nicht mehr suchen. Es war simpel und hochgradig erfüllend.

Irgendwann florierte meine Ich-AG. Und im Moment, in dem sie am erfolgsreichsten war, fand sie ein Ende. Exakt auf die Art und Weise, bei der man sich einen Haltbarkeitswert gleich null ausrechnet, habe ich meinen Freund kennengelernt: Auf einer Tanzfläche, betrunken. Der Abend endete, als wir mitten in der Bar herumknutschten.

Dem Glauben an die Liebe hatte ich allerdings längst entsagt. Ergo: Sein „So etwas wie mit dir habe ich noch nie gefühlt“ hieß für mich „Ich will dich mit nach Hause nehmen und nach einer Nacht wieder ziehen lassen“.  Also tat ich das aus meiner Sicht vernünftigste. Ich genoss den Abend, erhaschte einen kurzen Blick auf das, was man gemeinhin wohl den siebten Himmel nennt und zog den Vorhang schnell wieder zu, indem ich ihm einen Korb gab – und alleine nach Hause ging.

Jetzt, etwas mehr als ein Jahr später, bin ich seit zehn Monaten mit ihm zusammen. Noch sehr frisch also.

Vielleicht bin ich noch nicht so weit wie Milli, die ihren Mann sicherlich in- und auswendig kennt, und definitiv bin ich nicht wie Coquette, die sich das Single-Dasein zurückwünscht, zumindest gewisse Aspekte. Aber ich bin so weit des Weges gekommen, dass ich dir, Yavi, Hoffnung machen kann: Es gibt The One. Und er hat keine Fehler, weil er dein Gegenstück ist.

Mein Freund geht mit mir Tanzen und sieht sich mit mir „Stolz und Vorurteil“ oder „Sissi“ (!) an. Mein Freund amüsiert sich darüber, wenn ich mal wieder völlig Mädchen bin. Mein Freund stellt mit fast täglich Lieder auf die Pinnwand, deren Lyrics mir sagen sollen, wie wichtig ich ihm bin. Mein Freund ist ein Familienmensch, der heiraten und Kinder bekommen möchte. Mein Freund ist ein kleiner Macho, den zu bändigen erst ich geschafft habe. Mein Freund liebt das Leben und jammert nicht wegen Banalitäten herum. Mein Freund steht zu Unzeiten auf, um mir einen guten Morgen zu wünschen.

Mein Freund erklärt mir öffentlich seine Liebe. Mein Freund sagt mir, ich soll mit meinen Freundinnen losziehen, Spaß haben, und der Welt beweisen, wie großartig ich bin. Mein Freund steht eigentlich auf Metallica, aber dreht deren Lieder nur dann laut auf, wenn ich nicht mit im Auto bin. Mein Freund mag mich, wie ich bin und erkennt noch nicht einmal meine Fehler. Mein Freund ist jeden Tag für mich da und wird es nicht satt, Stunde um Stunde mit mir zu verbringen. Mein Freund macht jeden Tag zu einem schönen Tag, mag der doch noch so verkorkst gewesen sein. Mein Freund macht mich glücklich, ist mein Zuhause. Mein Freund ist hoffentlich derjenige, der sein ganzes Leben mit mir verbringen wird.

Aber einen Fehler hat er doch: Die meiste Zeit ist er tausende Kilometer von mir entfernt. Damit habt ihr nun den Hauptgrund, weshalb ich uns keine Chancen eingeräumt habe, als wir uns kennengelernt haben. Ich habe nicht an die Liebe geglaubt und erst recht nicht an eine, die eine solche Distanz überwinden und überstehen könnte.

Und nun, liebe Yavi, schau dir an, wo ich jetzt bin. Die letzten zehn Monate waren für mich eine einzige Liebeserklärung an die Liebe. Als Single magst du glücklich sein, aber multipliziere dieses „glücklich sind“ mit dem Faktor „unendlich“ und du bekommst eine Ahnung davon, wie toll das Leben zu zweit sein kann.

Dieser Brief soll dir Hoffnung machen, wobei ich die Ironie in deinen Zeilen durchaus erkenne. Aber was gibt es in der Vorweihnachtszeit Schöneres, als Hoffnung zu machen? Selbst der Ungläubigste kann irgendwann zu glauben anfangen. Ich hoffe, dass der Moment, der diesen Wandel für dich markiert, bald kommt, denn diese Zufriedenheit ist jedem nur zu wünschen.

Aus zwei Gründen will ich für dich und all deine und Brads Leser anonym bleiben. 1. Trage ich mein Herz normalerweise nicht in den Fingerspitzen. 2. Wirst du verstehen, dass ich nicht riskieren kann, dass irgendeine Frau erfährt, wer dieser unbeschreiblich tolle Mann ist.

Ich verbleibe daher:

XOXO

Lucky Girl

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Kommentare

  1. Gepostet von Yavi am Samstag, 26. November 2011

    Liebe Verliebte,

    danke vielmals für deinen Brief. Er ist nicht nur motivierend und schön geschrieben, er erinnert mich auch sehr an meine Zeit als glückliche Frau an der Seite eines Mannes. An die Zeit, als ich – wie du – noch voller Hoffnung daran glaubte, dass es nur den einen und zwar für immer gibt. Nach ein paar Jahren makelloser Beziehung ist sie zerbrochen. Weil das einfach so ist. Machen wir uns nichts vor – Menschen verändern sich und sie ändern sich besonders anfangs für den Menschen, den sie lieben. Gut und verheerend zu gleich. Tiefe Gefühle können dich zu einem anderen Menschen machen und dir dadurch erlauben, der perfekte Partner zu sein. Das erlebst du gerade in voller Blüte und ich weiß selber, wie schön das ist. Besonders vor Weihanchten.
    Ich liebe mein Leben und habe keine Angst. Auch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, einen tollen Mann kennenzulernen und mit ihm viele süße Babys zu machen, auch mit 80. Es braucht nur leider vielmehr, um mich vom Hocker zu reißen. Nach ein paar tollen Beziehungen und gewissen Erfahrungen weiß ich lediglich, was ich will. Und das ist eben kein objektiv betrachtet perfekter Mann, sondern einer, der zu mir passt. Er wird Fehler haben und ich werde sie lieben, die Frage ist nur, wie lange. Es ist eine Frage der selbstinvestierten Arbeit und den Umständen, die von einem Tag auf den anderen alles verändern können.

    Nein, ich brauche keinen perfekten Mann, sondern weiterhin eine gesunde, realistische Einstellung zu der Eigenart der Liebe. Und deswegen keine Angst – es wird nicht deiner sein ;)

    Gratulation zu deinem Glück und alles Gute,
    Yavi

  2. Gepostet von n-tv am Samstag, 26. November 2011

    backt euch doch einfach euren traummann und gut ist

  3. Gepostet von Yavi am Samstag, 26. November 2011

    hey danke, gute idee! schickst du uns dein rezept? wir sind zwar anfänger, aber das cheint ja nicht so schwer zu sein…

  4. Gepostet von Coquette am Samstag, 26. November 2011

    Liebes Lucky Girl,
    warte mal noch sechs Jahre ab, und Du WIRST mich verstehen ;-) !!
    Weiterhin alles Liebe für Euch Beiden ♥

  5. Gepostet von Brad am Samstag, 26. November 2011

    ich finde es ehrlich gesagt sehr krass, das dir jemand in dieser länge auf deinen text antwortet. heißt, dass deine worte die menschen/frauen :o) bewegen. nee, im ernst: so ein langer kommentar ist ein riesenkompliment. wer schreibt schon für den luftleeren raum?

  6. Gepostet von Brad am Samstag, 26. November 2011

    Gut platzierte Werbung, die darf bleiben :)

  7. Gepostet von Lucky Girl am Sonntag, 27. November 2011

    Liebe Yavi,

    den Realismus habe ich natürlich nicht vollkommen gegen die rosaroten Wolken eingetauscht. Zu Anfang habe ich “uns” als etwas Temporäres verstanden. Denn mal ehrlich: Irgendwann kommt der Moment, in dem entweder einer von uns seine gewohnte Umgebung, seine Familie, seine Freunde hinter sich lassen muss, um “uns” im Alltag erleben zu können – oder aber wir schlagen das Kapitel zu und leben das Leben weiter, das wir (bislang) getrennt voneinander führen oder geführt haben.

    Mein Zögern zu Beginn habe ich überwunden, als ich entschieden habe, lieber jetzt diese für mich zuvor unbekannten, unverhofft tollen Gefühle auszuleben und später vielleicht eine Enttäuschung zu erleben, anstatt sie nie gefühlt haben.

    Mittlerweile aber überwiegt die Hoffnung, dass wir es doch irgendwie schaffen. Who knows what tomorrow may bring?

    Ich genieße jedenfalls den Augenblick. Jeden Einzelnen.

    Dein Lucky Girl

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