Bär der Aids-Hilfe

Antwort auf Eure Mails: Aids ist längst ein weitreichenderes Symbol

Veröffentlicht: Mittwoch, 30. November 2011

Freunde, ich habe nach Feierabend gerade die vielen Emails gelesen, die Ihr mir zum Text HIV gesendet habt. Eine Nachricht hat mich wirklich zum Weinen gebracht. Biographien bewegen. Da ich keine Zeit habe, jedem einzeln zu antworten, heute noch ein kurzer Post.

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Es ehrt mich, dass Euch meine Texte berühren. HIV gehört definitiv zu denen, die mir besonders am Herzen liegen. Ich war trotzdem überrascht über die vielen persönlichen Worte, die Ihr in Euren Mails gefunden habt. Eure Reaktionen haben auch mich bewegt. Um auf einen Aspekt genauer einzugehen: Natürlich ist die Frage, ob wir über Pech oder über Eigenverantwortung reden. Ich sehe durchaus die Argumente der Gegenseite, erlaube mir aber, auf meiner Linie zu bleiben.

Es gibt viele Wege, sich mit HIV zu infizieren. Manche spielen mit dem Feuer, richtig. Andere haben Pech. Kondome können platzen. Und selbst wer absichtlich mit dem Feuer spielt, kann Glück haben – ergo auch Pech in eben diesem Sinne. Am Ende ist der Grund der Infektion allerdings weniger wichtig als die Art, mit ihr umzugehen. Eine Nachricht in meinem Postfach hat mich gerade tatsächlich zum Weinen gebracht. Um auf eine weitere Frage zu antworten: Meinen Freunden geht es gut. Der eine hat sich auf den Text sogar gemeldet, die andere dürfte heute einen besonders schönen Tag gehabt haben, glaube ich den Bildern an ihrer Facebook-Wall.

Natürlich braucht kein Mensch HIV. Oder Krebs. Aber tritt der Fall der Fälle ein, gibt es auch keinen Grund, für immer in seinem Schneckenhaus zu bleiben. Zu meinen Freunden: Beide denken ab und zu über ihre Krankheit nach, werden spätestens beim Bevorstehen der Routineuntersuchungen erinnert. Aber ihre Gedanken kreisen genauso wenig dauerhaft um die Thematik wie meine nicht jede Minute um die Tatsache kreisen, dass ich schwarze Haare habe oder Heuschnupfen.

Die bundesweiten Kampagne zum Welt-Aids-Tag wirbt 2011 erstmals seit Jahren nicht vorrangig mit prominenten Gesichtern, sondern mit Betroffenen. Und ihren Geschichten. Das nicht ohne Grund. Geschichten bewegen. „Vielen wird es nicht leicht gemacht, mit ihrer Krankheit öffentlich zu werden“, sagte mir heute eine Pfarrerin, die im Kontext des Welt-Aids-Tages seit Jahren Gottesdienste gestaltet. Doch auch die anderen seien befangen. „Kollegen haben Angst, auf die Toilette zu gehen, oder sich an einer Kaffeetasse zu infizieren. Vielleicht mag der eine oder andere da den Kopf schütteln, doch es ist wichtig, auch diese Vorbehalte ernst zu nehmen.“

Die Pfarrerin und ihre Mitstreiter wollen neue Gesprächsräume eröffnen, dabei die Ängste der einen und der anderen unverblümt auf den Tisch legen. Anders sei es nicht möglich, über dieses Thema zu kommunizieren, sagt sie.

Klaus Stehling, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Hessen, ist überzeugt, dass sich gerade junge Leute mit HIV und Aids auseinandersetzen. Nur habe im Vergleich zu den achtziger Jahren ein Bedeutungswandel stattgefunden, wie er mir im Interview berichtete. „Aids ist zum allgemeiner Symbol für eine Infektionsgefahr im Bereich Sexualität geworden. Das Wort allein ist längst ein Appell, sich zu schützen.“

Also: Support „Blogger gegen Aids“ und denkt morgen eine Minute an alle, die Beistand brauchen. Egal in welcher Angelegenheit. Denn genau darum geht es: füreinander da zu sein. In vielen Lebenslagen gibt es keine bessere Medizin. Ich werde heute Abend auf eine Party gehen, obwohl mir nach Lektüre einiger Emails gar nicht mehr nach feiern war. Show must go on – und das ist auch gut so!

Mein Herz ist bei euch – always was, always will!

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