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Biologie: Warum wir Partner werden – oder nicht

Veröffentlicht: Sonntag, 29. November 2015

Im Leben können wir viele Dinge verfehlen, aber nie unsere Biologie. Weil sie uns immer erwischt. Manchmal eiskalt. Mich fröstelte, weil ich keine warmen Worte mehr fand. Für diesen Zustand, während dem jeder seine eigenen Bahnen zog – wie zielgerichtet aneinander vorbei. Vielleicht hatte ich ihn deshalb eiskalt abserviert.

Vielleicht aber auch, weil es ein Naturgesetz ist, das des Winters: Wo Kälte herrscht, müssen wir versuchen, es uns warm zu machen, oder unsere Lebensgeister runterfahren. Manchmal kuscheln wir uns deshalb aneinander. Symbiotisch. Während ich die Heizung hochfuhr, versuchte ich, das Feuer in mir trotzdem nicht ganz ausgehen zu lassen, obwohl es der Wind des heftigen Kreisens fast ausgeblasen hatte. An meinem Fenster flogen Böen vorbei, in mir tobte der Sturm über den letzten Funken.

Funktionieren können wir ganz gut allein und das sogar ganz gut, immer besser, je älter wir werden übrigens. Denn die Biologie hat uns alles mitgegeben, was es dazu braucht. Vor allem den eigenen Kopf – die Vorstellungskraft, mehr zu werden als das, was die Natur vorerst vorgibt. Dafür passen wir uns an, oder suchen uns Partner.

Auf Partnersuche

In der Biologie finden Metamorphosen immer dann statt, wenn sich ein Organismus anpassen muss, um zu überleben. Zumindest im Zwischenmenschlichen sind diese Metamorphosen selten. Weil das Miteinander selten ein Muss ist, meistens nur eine Option.

Jene Option, die dem natürlichen Streben nach Selbstbestimmung widerspricht. Fundamental. Weshalb wir uns jedes Mal dagegen entscheiden, wenn wir merken, dass es schwierig ist, Wurzeln zu schlagen, wo kein Nährboden ist. Gelegentlich, weil wir keine Kraft aufwenden wollen, um dieses Feld zu bestellen. So steht und fällt jede menschliche Metamorphose mit dem Wollen, nie mit dem Müssen.

Noch seltener als die Metamorphose ist die Symbiose, biologisch gesehen die „Vergesellschaftung zweier unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist“. Wenn zwei Menschen diesen Weg gehen, wird jeder von beiden mehr als das, was die Natur aus ihm gemacht hat: ein Paar. Aber nie auf ganz natürliche Art. Denn die Verschmelzung zweier Arten braucht immer einen Motor, eine Motivation, ein Miteinander.

Mitunter reicht es dafür manchmal schon, leicht von der eigenen Bahn abzukommen. So wie Vögel die Koordinaten ihrer Wege anpassen, wenn Außeneinflüsse das Leben, wie sie es kennen, verändern. Biologisch gesehen also ein kleiner Schritt, aus menschlicher Perspektive gesehen meistens ein großer. Weil die Natur den Menschen zum Überlebenskünstler gemacht hat.

Die Optionen, die wir haben

Heute hängt unser Leben mehr an den Optionen, die wir haben, weniger an den Dingen, die wir müssen, gerade im Zwischenmenschlichen. Ironisch, dass wir manchmal so unflexibel sind wie die alten Dinosaurier. Als hätten wir die Evolution übersprungen, oder wollten unsere eigene verhindern.

Ja, es ist schön, dass jeder genauso ist, wie ihn die Natur gemacht hat. Natürlich ist es schöner, wenn wir gemeinsame Sache machen – und unsere Biologie einmal überwinden. Nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir wollen. Denn auch das ist ein Naturgesetz: Wir sind zuerst, was unsere Biologie vorgibt – aber dann eben auch, was unsere Umwelt mit uns macht, wenn wir es wollen.

Heißt: Wir können unsere Biologie nicht verfehlen, aber unseren Koordinaten verändern – unsere Standpunkte. Wirklich knacken können wir uns nämlich nur selbst, nie die anderen. Auch das liegt in unserer Natur. Wenn Gefühle wirklich so wirken wie Alkohol, weil sie unsere Sinne verklären, können sie dabei helfen. Ich meine, leicht von unserer geraden Bahn abzukommen und einfach mal Schlangenlinien zu fahren.

Mir war erst einmal nach einem Wodka. Manchnmal trinke ich übrigens auch Bier. Aus gesellschaftlichen Gründen.

Herz drum, fertig.

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