Arschloch - der Kampf mit den Ex-Partner

Arschloch / Arschloch / Arschloch : Da capo!

Veröffentlicht: Montag, 21. November 2011

Es gibt Schlüsselmomente, in denen man einfach nur „Arschloch“ denkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Letzte Woche habe ich mir geschworen, jedes Mal zehn Cent in ein Sparbüchse zu werfen, wenn ich „Arschloch“ denke. Nächste Woche kann ich mir endlich eine Eigentumswohnung kaufen. Und einen Gärtner.

Andere Büchsen zerschmettert man in wenig freudiger Erwartung: Als ich die Büchse der Pandora öffnete, wusste ich bereits, dass es zu spät war. Oder wurde sie für mich geöffnet? In einer Welt, die Menschen vor allem über soziale Netzwerke verbindet, entstehen zwangsläufig Beziehungsgeflechte, die uns wie Spinnennetze gefangen halten.

So kommt es vor, dass uns Menschen, deren Existenz wir gerade verdrängen, online permanent als Freunde vorgeschlagen werden, Offensichtlich mit der Begründung, dass man ja bereits 60 gemeinsame Freunde zählt.

Faszination und Ekel: Informationsfalle Web 2.0

Man kann sich physisch aus dem Weg gehen, aber sich in der virtuellen Welt nicht auf die Füße zu treten, ist quasi unmöglich: Menschen kommentieren Statusmeldungen; Menschen werden auf Bildern und an Örtlichkeiten verlinkt. Im Web 2.0 schützen uns Privatsphäre-Einstellungen vor den Augen der anderen, unsere Augen aber nicht vor ihnen.

Um mal selbstkritisch zu sein: Manchmal öffnen wir Pandoras Büchse ganz bewusst. Denn der Kreislauf aus Schmerz und Wut übt wie jedes Spiel mit dem Feuer magische Anziehungskraft aus. Ohne Faszination kein Ekel. Und umgekehrt.

Der Puls unserer Leiden

In der Schule haben sich die Mädchen immer mit Glasscherben an den Pulsadern rumgekratzt, um nach dem scharfen Schnitt in eine Art Schockstarre zu verfallen, und um sich dem Leiden Christi zu nähern. Was ich damals albern fand, ergibt heute bei genauerem Nachdenken sogar Sinn. Erstens behindert der Schock das permanente Gedankenkreisen, zweitens verzeiht Jesus Christus sicherlich auch die übermäßige Frequenz der „Arschloch“-Gedanken. Da capo!

Postest du noch, oder bist du schon umgebracht worden?

Als ich mein Facebook-Profil im Februar für drei Wochen abstellte, wurde einer meiner Freunde ernsthaft gefragt, ob ich tot sei. Längst sind die sozialen Netzwerke nämlich zur Pulsader unseres Lebens geworden. Sie generieren Zuneigung, organisieren Termine und werden sogar als Kondolenzbücher genutzt. Wenn der Newsstream ruht, ruht auch das Leben. Was wird erst passieren, wenn die Timeline massenkompatibel geworden ist?

Der Mauscursor als Folterwerkzeug

Längst hat der Mauscursor die Funktion der scharfen Scherbe übernommen. Gerade habe ich mich wieder geschnitten. Unabsichtlich, aber tief. Und wie die Mädchen in der siebten Klasse damals warte ich jetzt auf den Moment, in dem der letzte Stich die Schmerzresistenz auslöst – vor allem die des Herzens. Der Verstand folgt dann von ganz allein.

Bis es soweit ist, denke ich einfach weiter „Arschloch“ und ans Atmen, während der Körper die Maus weiter über den Bildschirm bewegt und der Kopf weiter hofft, keine der bösen Schnittstellen im Netzwerk zu finden. Stellen, an denen sich Informationen treffen ebenso wenig wie Stellen, an denen das Netz tief ins Fleisch schneidet.

Love takes time to heal when you’re hurting so much,

Mehr zum Thema:

Selbstdarstellung im Internet – HIER!

Die Masken fallen: The real me – mehr HIER!

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Kommentare

  1. Gepostet von Tonia am Montag, 21. November 2011

    Trotz aller Kraftausdrücke einfach nur wunderschön getextet. uff…….

  2. Gepostet von Bella am Montag, 21. November 2011

    Das stimmt. Wahre Worte!

  3. Gepostet von Brad am Montag, 21. November 2011

    Hi Tonia und Bella,

    das macht mich sehr glücklich! Gute Nacht! *Brad*

  4. Gepostet von DLicious am Montag, 21. November 2011

    Hut ab – echt toll geschrieben. Ja das Social Web ist manchmal wirklich grauenvoll. Mal sehen wie sich das ganze in den nächsten 10 Jahren so entwickelt.

  5. Gepostet von Brad am Montag, 21. November 2011

    Der glaeserne Mensch? Danke für deine Meinung!

  6. Gepostet von Coquette am Montag, 21. November 2011

    Toller Text mit (leider) hohem Wiedererkennungswert! Das Gute dabei, man selber kann es immer besser machen, als all’ die A—, die einem im Leben so begegnen! Das spornt doch wirklich zu Großem an ;-)

    http://coquettesstylingblog.blogspot.com/

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