Angstschweiß

Angstschweiß: Lieber blamieren als resignieren

Veröffentlicht: Sonntag, 25. Januar 2015

Das ist ein Text über die ewige Herausforderung, sich selbst herauszufordern. Zuvorderst: den inneren Schweinehund zu besiegen und Dinge nicht nur zu planen, sondern sie passieren zu lassen. Wobei, das lehrt uns die Realität, dieses „Lassen“ meistens weniger „Zulassen“ meint, als „Anfassen“. Denn wo nur die Vorstellung ist, wie etwas sein könnte, ist nicht der Aktionismus auf dem Vormarsch, sondern nur die Fantasie. Die Dinge passieren schon, wenn wir sie anstoßen.

Anders gesagt: Meistens ist es weniger wichtig zu wissen, wie das Ziel genau aussieht, als sich aufzumachen, um es zu erreichen. Es reicht eben nicht, auf Sichtweite mit den Dingen zu sein, die wir wollen. Denn wer würde wirklich bezweifeln, dass der Weg zu unseren allerhöchsten Zielen vor allem reich an Schweiß ist – und Ängsten, denen wir uns stellen. Immer dann, wenn wir altes Terrain zurückerobern oder neues betreten wollen, und dabei vorerst an unsere Grenzen stoßen.

Zum Glück hatte mir niemand versprochen, dass das, was danach kommen würde, leichter wäre. Ich hätte sofort abgebrochen und mich mit dem zufrieden gegeben, was ich endlich wieder hatte. Aber mir war von Anfang an klar, dass es da noch mehr zu holen gab, als die Dinge, die ich mir zurückgeholt habe. Ich musste mich nur wieder trauen. Vor allem, das Risiko einzugehen, das Gesicht zu verlieren. Dort, wo ich weitaus weniger sicher bin als am Schreibtisch beim Schreiben oder im Kreis meiner Kumpels.

 

Wenn du das Gefühl hast, in einem Lebensbereich bei Null anzufangen, ist dein größter Gegner die Angst, zu versagen. Größer sogar als die Aussicht, sich vor allen anderen zu blamieren. Vor mir also ein Meer aus wackeligen Angelegenheiten, durch das ich mich vorerst möglichst unauffällig manövrieren möchte. Zumindest so lange, bis ich die Meisterklasse erreicht habe, die mir in ausgewiesenen Lebensbereichen den Mut gibt, mit Freestyle zu experimentieren. Manchmal ist es hart, zu akzeptieren, an anderer Stelle irgendwo am Anfang zu stehen. Und damit eben auf wackeligen Beinen. Aber vielleicht nicht ganz aussichtslos.

Und so begann ich zu kämpfen. Gegen meinen inneren Schweinehund und meine Angst, mich zu blamieren. Zwei Stunden lang. Zwischen Wut auf mich selbst und auf meine Schwäche: die Angst. Zwischen Ausreden und Ausflüchten, bis ich zwischenzeitlich darüber nachdachte, einfach ins Bett zu gehen, mir die Decke über den Kopf zu ziehen, und einen weiteren Tag verstreichen zu lassen. Aber das war nie mein Style.

Also doch nicht. Weil die Lehre aus den letzten Monaten folgende sein muss: Es gibt nichts, was man nicht schaffen kann. Und wo zwischenzeitlich die Verzweiflung der Motor war, muss heute einfach wieder das Vertrauen herhalten, dass Übung den Meister macht. Gerade dort, wo wir uns wenig meisterlich anstellen, sind die Erfolge am größten. Und jene hat mich immer ausgemacht: die Suche nach Herausforderungen und Erfolgen.

Es ist nie falsch, mehr zu wollen als man hat, gerade wenn man den Fokus nicht darauf legt, seine Stärken zu untermauern, sondern seine Schwächen zu untergraben. Genau an dem Punkt, an dem es weh tut. Doch wahrscheinlich ist gerade das das Prinzip des Wachsens: den Keim nähren. Mit Schweiß. Manchmal mit Angstschweiß.

Zugegeben hätte man zuletzt darauf kommen können, dass Bücher und Jobs die einzigen Dinge sind, in die ich meine Energie zuletzt gesteckt habe. Und das wäre ein ganz klarer Trugschluss. Genau deshalb habe ich beim Schreiben dieses Textes entschieden, den inneren Schweinehund nicht gewinnen zu lassen. Lieber blamieren als resignieren. Weil es immer einen Lebensbereich bist, in dem du keine Meisterklasse mehr hast – oder nie hattest. Das ist ein Text über die ewige Herausforderung, sich selbst herauszufordern. Um den eigenen Anforderungen wieder gerecht zu werden. Am Ende sind wir selbst unsere härtesten Richter.

Bring it all back,

kurz-unterschrift11

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