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An alle besten Freunde

Veröffentlicht: Montag, 30. November 2015

Ein umfassend erfülltes Leben zu führen, ist fast unmöglich. Dafür gibt es zu viele verschiedene Möglichkeiten, jenes zu füllen. Dennoch gibt es diese Dinge, die Mängel kompensieren und ein Leben komplettieren können, auf Umwegen zumindest. Freunde zum Beispiel. Diese Art von Freunden, mit denen du alles teilst – über weite Teile deines Lebens.

Nicht umsonst sagt man, geteiltes Leid sei halbes Leid, und geteilte Freude gleich doppelte. Im Grunde ist das eine Wahrheit, die unter Freunden gilt. Denn die Leben von Freunden ergänzen sich. Weil der Einzelne nie alles haben wird, beide in Summe aber eine ganze Menge. Und immer, wenn der andere mehr hat als du selbst, wirst du es ihm von Herzen gönnen. Weil du dich für ihn im Grunde immer ein bisschen mehr freust als für dich selbst.

Das hat einen Grund. Ich könnte Tausend Gründe nennen, warum wir ziemlich beste Freunde wurden als wir gerade zwanzig waren. Nicht mehr lange, und wir werden sagen können, die Hälfte unseres Lebens miteinander verbracht zu haben. Nach dem gleichen Prinzip: Wenn einer nicht mehr konnte, hat der andere ihm den Kopf gewaschen. Bis es wieder ging. Nach vorn. Und wenn einer ganz oben war, hat der andere ihn gehalten, damit er sich hält, oder weich fällt.

Du hast mir Geld geliehen als ich keins hatte. Du hast mich motiviert als ich alles hinschmeißen wollte. Und als ich im Sommer den schlimmsten Liebeskummer der Welt hatte, hast du das Schönste gesagt, was einer hätte sagen können: „Er hat dir so viel Zeit geschenkt, den Richtigen zu finden. Eigentlich solltest du ihm dankbar sein.“

Mag sein, dass ich das damals nicht hören wollte, schon heute bin ich dir dankbar dafür. Dabei hätte ich gleich wissen müssen, dass du Recht hast. Weil du immer Recht hattest, wenn es um mich ging.

Du wusstest, dass ich einen Blog schreiben kann, bevor ich es wusste, oder ein Buch. Du wusstest, dass es die richtige Entscheidung war, in eine fremde Stadt zu gehen, als ich noch darüber nachdachte, was ich alles aufgeben muss. Als du mir blindlinks deinen Brautstrauß entgegen schleudertest, hast du dir sicherlich auch etwas dabei gedacht. Hoffe ich.

Du hast mir so viel Zeit geschenkt und mich nie aufgegeben. Du bist mir sogar hunderte Kilometer nachgereist, um deinen Geburtstag mit mir zu feiern. Wie früher.

„Wie früher“ – genau das dachte ich heute, als du aus dem Nichts anriefst, um mir einen ziemlich beschissenen Tag zu retten. Als hättest du gewusst, dass es mir gerade nicht gut geht.

Und so gönne ich dir jeden Traum, der in Erfüllung geht, tausendfach. Selbst wenn es sich gelegentlich um einen meiner Träume handelt. Weil ich weiß, wie gut es sich anfühlen muss, wenn ich dich lachen höre. Wenn auch nur am Telefon. Du musst dich auch nicht rechtfertigen, weil die gute Nachricht aus deinem Leben sich mit der schlechten aus meinem überschneidet.

Einer meiner besten Freunde erklärte mir gerade, dass ich mich vor den wenigstens Menschen überhaupt für etwas rechtfertigen muss. Konkret, wie ich mich verändert habe, aufgrund von Entscheidungen, die ich fällen musste. „Nur vor den Menschen, die dich über viele Phasen deines Lebens kennen“, sagte er, „denen, in denen du nichts hattest, und denen, in denen du alles hattest.“

Ich habe sofort an dich gedacht. Denn es gibt nach meiner Familie nur drei Freunde, auf die das wirklich zutrifft. Und selbst unter diesen dreien warst du die erste. So freue ich mich, dass ich mich heute mit dir freuen konnte, für dich und aus vollem Herzen. Im Grunde bist du sowieso so etwas wie Familie. Ich habe viel Familie in München. Aber niemanden, der mir so nahe steht, der mir so nahe geht, wie du.

From Hamburg with love,

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