Brad Shaw im weihnachtlichen Streifzug der Gießener Allgemeinen

All I want for Christmas is YOU – Denn jede XXL-Wurst ist mal fertig gekaut

Veröffentlicht: Montag, 28. November 2011

Ich gebe zu: Es ist nicht immer cool, Single zu sein. Manchmal sogar überhaupt nicht. Zum Beispiel auf einem Weihnachtsmarkt. Deshalb ist dort auch so viel Glühwein vorhanden. Denn nüchtern betrachtet, sind Weihnachtsmärkte nicht mehr als eine Single-Hölle – beziehungsweise die Pärchen-Hölle für Singles, abhängig vom aktuellen Grad der Frustration.

An durchschnittlichen Single-Tagen geht es zumeist darum, aus unterdurchschnittlichen Startbedingungen etwas überdurchschnittlich Gutes zu machen. Siehe Single-Partys: Denn was auf der Welt könnte entwürdigender sein, als einen Abend lang mit einer nichtssagenden Nummer wie der 247 ‘Brust-raus-Bauch-rein’ durch eine Dorfdisco zu stolzieren – um auf den noch entwürdigenderen Moment zu warten, an dem man sich beim Guetta-liebenden DJ einen Zettel abholt? Unter dem Grinsen der anderen Gäste, die zwar genauso frustriert sind, aber den Frust über die eigene Zettellosigkeit mit Häme für den kurzen Moment im Spotlight übertünchen.

Es gibt zwei Wege, um eine Single-Party zu verlassen:

a) als Lucky Loser, der immerhin auf der Resterampe einen Stich machen konnte

b) als Loser, baby. So why don’t you kill me?

Die Speerspitze der Einsamkeit

Während sich Singles auf Singlepartys zumindest wie auf einem riesigen Fleischmarkt fühlen dürfen, empfinden sie einen Weihnachtsmarkt zwangsläufig als die Speerspitze der Singularität. Meint in der Physik übrigens „allgemein Gegebenheiten, unter denen physikalische Gesetze nicht definiert sind“, wobei Wikipedia gleich folgendes Beispiel nennt: das Schwarze Loch!

Und genau in das möchte man zwischen den Zuckerwatte-kauenden, Lebkuchen-behängten und sich gegenseitig-die-Hände-wärmenden Pärchen UNBEDINGT fallen. Denn wo die physikalischen Gesetze nicht definiert sind, muss für die emotionalen nicht Gleiches gelten.

XXL sind vor allem die Single-Heizkosten

Wer sich auf Weihnachtsmärkten eine XXL-Bratwurst bestellt, weil orale Befriedigung außerhalb der Marktsaison eher zu kurz kommt, der zählt im Regelfall nicht zu Amors Günstlingen. Dafür zu denen, die beim Heizen nie besonders günstig wegkommen. Nicht nur, weil wir die Fernwärme allein zahlen müssen. Vor allem, weil sie sich allein durch die langen Winter schlagen müssen.

Wir sollten uns an die Farbe Weiß gewöhnen“, las ich jüngst einen Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst Offenbach in einer Zeitung zitiert. Ich spare derzeit, um die kommende Nebenkostennachzahlung finanzieren zu können.

Selbst ist der Single!

Doch ich will nicht klagen. Als unverhoffte Weihnachtsmarktbegleitung eines Pärchens habe ich mich heute auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt gar nicht schlecht geschlagen. Ich schöpfte aus der Konfrontationsübung sogar Kraft. Plötzlich wurde mir klar, dass ich alles, was sie zu zweit können, auch allein kann – außer vielleicht, den Mangel an besagter Befriedigung auf oraler Ebene auszugleichen.

Es wird eben nicht jeder mit einer XXL-Bratwurst in der Hand geboren. Auch nicht mit einem goldenen Löffel. Aber was nützte alles Gold der Welt, wenn man seine Suppe am Ende immer allein auslöffelt?

Single and fabulous?

Allein ist das Stichwort: Ich wärmte mich allein mit Hilfe zweier Pullis und Jacken, ich stellte mich allein unter einen Mistelzweig und war im Begriff, mir selbst eines dieser heiße begehrten Lebkuchenherzen zu kaufen. Die sind wie Kuscheltiere zwar völlig sinnfrei, aber gleichfalls ein gesellschaftlich erwünschter Liebesbeweis.

Mein Herz sollte die Aufschrift „Single and fabulous“ tragen. Was auch sonst? Die Dame an der Süßwarenbude machte mir einen gehörigen Strich durch den Singles-können-alles-schaffen-Trip. Ich war (mal wieder) zu spät – und hatte leider (mal wieder) keinen Mann an der Seite, der sich im Namen der Liebe für „Ein Herz für Brad“ stark machte. Mal wieder ging ich am Ende doch leer aus.

>

Christmas (Song) for the broken-hearted

Es gibt zwei Wege, einen Weihnachtsmarkt zu verlassen:

a) mit einem Lebkuchenherz

b) mit Herzschmerz

denn, so bemerkte meine Freundin Coquette gerade, „wecken Weihnachtsmärkte tiefere, emotionale Bedürfnisse, die im Bild vom idyllischen Fest gipfeln, bei dem man neben seinem Herzblatt sitzt und sich den Truthahn teilt.“

Ich mag vielleicht eine dumme Pute sein, aber keinesfalls blind. Deshalb warte ich nicht wahllos pickend darauf, mal ein Korn zu finden, sondern warte lieber auf das hot chick, das meine Heizkosten zu senken vermag. Wie gesagt: Die deutschen Winter werden länger. Ich könnte mich 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche an die Farbe Weiß gewöhnen, ja, aber niemals an die Nummer 247.

Habe ich schon erwähnt, dass mir Lebkuchen nicht schmeckt?

All I want for Christmas is / (to) feel real love / (because) that’s the way that my heart goes.

Four weeks to go,

Mehr zum Thema:

Brads Flirt-Schule: Wie lerne ich im weihnachtlichen Kontext am besten Leute kennen? Mehr HIER!

Mehr Single-Part: Ich date, also bin ich (Kunst) – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Timo am Montag, 28. November 2011

    Lieber Brad,

    das Niveau dieser Seite steigt von Tag zu Tag. Neuer Lieblingstext

  2. Gepostet von Brad am Montag, 28. November 2011

    Dieser war auch eine Herzensangelegenheit :o)

  3. Gepostet von Felix am Montag, 28. November 2011

    And you finally see the truth: that a hero lies in you! Um auf deine Facebook Wall Bezug zu nehmen

  4. Gepostet von Brad am Montag, 26. Dezember 2011

    du solltest sie mal live hören!

Antworten

Teil mir Deine Meinung mit. Ich freue mich über Feedback!