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Abschussliste

Veröffentlicht: Sonntag, 11. Januar 2015

So oft im Leben vermittelt uns irgendjemand das Gefühl, ersetzbar zu sein, weshalb Millionen Menschen da draußen mit der Angst leben, ausgetauscht zu werden. Im Bett, im Büro, in einer Beziehung. Ersetzt – im schlimmsten Fall durch das Nächstbeste. Im Grunde kann ein Blog wie dieser nichts Besseres leisten als diesen Menschen zu sagen, dass das nicht stimmt. Denn kein Mensch ist austauschbar. So mancher verdient lediglich einen besseren Platz.

Im Grunde wissen wir das alle. Ich kam nicht umhin mich zu fragen? Warum ducken wir uns im Alltag dann so oft? Warum lassen wir unmögliche Sachen mit uns machen, um Zustände zu sichern, die, gelinde gesagt, ein Zustand sind?

Ich hatte genau dieses Phänomen in einer zehrenden Situation an mir selbst bemerkt – und mich in der Folge immer wieder selbst beobachtet. Meistens unbewusst. Weniger bewusst zumindest als morgens im Spiegel, verschlafen, wenn das Ich aus meine Träumen verfliegt, und ich die unfrisierte Realität betrachte.

Mit dem Sicherheitsabstand, den einem das Halbdunkle gibt – bevor du die Sonne reinlässt. Manchmal verzweifelt, manchmal verzückt. Immer fragend, was ich eigentlich noch, oder wieder sein könnte, außer der, den ich dann durch noch halb verschlossene Augen sehe.

Immer suchend. Nach der optimierten Version meiner selbst, die oft hinter den Schatten verschwindet, die der Alltag über uns wirft. Immer, wenn wir kopfschüttelnd neben uns stehen und uns fragen: Was hätten wir getan, wären wir in diesem Moment wieder die, die wir sein können, die wir mal waren, wären wir wieder im Vollbesitz all unserer Kräfte, würden wir uns wieder trauen?

So wie vorgestern. Da beschloss ich, die Sonne wieder reinzulassen – und die optimierte Version meiner selbst raus. Der Weg zurück ins Licht war hart. Aber plötzlich wusste ich, dass genau jetzt wieder der Zeitpunkt ist, um zu strahlen.

Wirklich zu strahlen – in eben diesen Situationen, in denen ich so lang nur einen Schatten meiner selbst agieren sah. Angstvoll und beschämt. Bevor ich mir die Welt wieder schön träumte. Oder mich selbst.

Manchmal, wenn dich etwas gehalten hat, aber nicht mehr hält, sondern nur noch aufhält – was hält dich davon ab, loszulassen? Anders gesagt: Wenn dir jemand das Gefühl gibt, ersetzbar zu sein – setz’ dich ab und ihn auf deine Abschussliste.

Die optimierte Version meiner selbst hätte gewisse Zustände gar nicht zugelassen. Gut, dass ich sie mir zurückgeholt habe. Denn manche Lebenslagen verlangen Kompromisse, andere die unmissverständliche Kontrolle.

Herz drum,

kurz-unterschrift11

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