Großer Bruder - kleine Schwester

Der Swag des Alters: Being 30 und noch lange kein Gammelfleisch!

Veröffentlicht: Dienstag, 20. Dezember 2011

Da wurde Milli am Wochenende doch glatt gefragt, ob sie mit 30 tatsächlich noch in Discotheken feiern geht. Und zwar nicht von ihrer Mutter, sondern von einer entsetzten 19-Jährigen. Deshalb, liebe Teenagerin: Do you believe in life after 30? We believe – in every little thing that we say or do! Cher und Madonna hatten ihre größten Clubhits schließlich jenseits der Wechseljahre. In unserem Alter hat man nicht nur den Hüftschwung perfektioniert, sondern vor allem etwas zu sagen. Zum Beispiel über Männer. Dagegen hoffe ich, dass meine 17-Jährige Schwester noch nicht einmal ahnt, dass Jungs nicht nur pöbeln, sondern auch poppen können. Becky, geh mit Barbies spielen!

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↓ Seniorinnen in der Disco ↑

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Kurz vor dem Abitur dachten wir, zugegeben, genauso. „Mit 30 hängen wir hoffentlich nicht mehr in Discos rum“, quittierten wir damals das Eintreffen einer Gruppe vermeintlich älterer Menschen in unserem Lieblingsclub mit hochgezogenen Augenbrauen. Den hielten wir nämlich für so abgefahren, dass wir nicht im Traum darauf gekommen wären, dass 30-Jährige überhaupt an den Türstehern vorbei kommen könnten.

Dreißig gleich spießig?

Es gibt hippe 50-Jährige, 40-Jährige, die noch ganz cool sind – aber 30-Jährige? Wahrscheinlich haftet keiner Zahl das Spießertum derart penetrant an wie der Dreißig. Angeblich sind 30-Jährige langweilig, träge und gängigen Konfektionsgrößen entwachsen. Das trifft nicht zu – außer man heißt zufällig Britney Spears. Oops!

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Ehrlich gesagt wird das Leben mit 30 sogar leichter, speziell das leichte Leben. Im Dating-Bereich eröffnen sich völlig neue Horizonte. Wer mit 20 auf merklich jüngere steht, hat ein Problem, wo sich der 30-Jährige der riesengroßen Auswahl erfreut. Außerdem fahren nicht nur die Jüngeren, sondern gleich noch die Älteren auf uns ab. Die Gleichaltrigen sowieso – außer man heißt zufällig Angelo Kelly. Justin Timberlake ist 30. Rock my body: Wird sind sexy. Aber eben mehr als das.

Justin Timberlake – Rock Your Body von scopitones

Das kollektive Gedächtnis der Around-Thirties

In ihre Kindheit fiel die Katastrophe von Tschernobyl. Mit ihnen wurde das Internet groß, sie haben ihre Freunde bei Facebook. Und kaum eine Generation muss gegen so viele Vorurteile ankämpfen wie die der heute 30-Jährigen“, schreiben Corinna Nohn und Marlene Weiss in ihrem „Porträt: Generation 30“ in der Süddeutschen Zeitung.

Gut eine Million Menschen in Deutschland, heißt es weiter, seien in diesem Jahr 30 Jahre alt geworden. Mitglieder der Jahrgänge 1977 bis 1984 werden bei der Lektüre unweigerlich ihr Leben an sich vorbeiziehen sehen. Denn während beispielsweise das „Lexikon der Jugendsünden“ (Lisa Seelig/Elena Senft, S. Fischer Verlag) lediglich die Bilder aus unseren Jugendzimmern Revue passieren lässt – Diddl-Maus, Buffalos, Swatch-Uhren und Eurodance-CDs – bildet der Essay aus der SZ jene Tagesschau-Bilder ab, zwischen denen die Generation der Luxuskinder über die „Generation Praktikum“ schließlich zur „Generation Facebook“ wurde. Die Generation, die sich angeblich nicht entscheiden kann.

Let’s see: Lady Diana heiratet (1981) * Tschernobyl (1986) * Mauerfall/Ende Kalter Krieg (1989) * World Wide Web (1991) * Handyrevolution (1998) * 11. September (2001) * Finanzkrise (2007) * Sarah Knappik, Jay Khan und Indira Weis im Dschungelcamp (2011)

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Zum Weiterelesen:

zum Essay in der Süddeutschen geht es HIER!

Mehr über das Lexikon der Jugendsünden – HIER!

Generation der Vielfalt

Statistisch gesehen, heißt es, würden die Sprösslinge des Jahrgangs 1981 – in Deutschland handelt es sich um Armeen von Christians und Stefanies – noch 53 Jahre leben, etwa 1,3 Mal verheiratet sein und ein bis zwei Kinder bekommen.

Vielleicht kommt aber alles ganz anders – Steffi wird sich noch oft entscheiden müssen“, schreiben die Autorinnen. „Eine Million Menschen (…) das sind eine Million Lebensentwürfe, Charaktere und Wohnzimmereinrichtungen. Ist es da nicht Unsinn, von ‘den Dreißigjährigen’ zu sprechen?“

Und damit kommen wir zurück zu Milli und der 19-Järigen. Nur weil die Wohnungen der Generation 30 wahrscheinlich zu einem übermäßig großen Anteil mit Ikea-Möbeln eingerichtet sind, heißt das nicht, dass zwischen Billy-Regalen, Expedit-Raumtrennern und Malm-Betten nicht individuelle Lebensentwürfe stattfinden können.

Der Swag des Alters

Natürlich verbringen 30-Jährige mehr Samstagabende auf ihrem Ikea-Sofa als Teenager. Aber nur, weil sie schon alles gesehen haben. Und den Rest lieber nicht sehen wollen. Aber wir gehen feiern. Und wo die Grünschnäbel noch Wodka Red Bull ordern, bestellen wir bereits Champagner. Oder eben gerade nicht. Denn wer will zwischen komasaufenden Kindern schon reif für das Alterskoma wirken? Aber zu glauben, dass 30 alt ist? Epic Fail! Tatsächlich sind es immer Teenager, die auf der Tanzfläche sektisch (= bizarr) den Körperklaus geben, während wir im „Wir haben Macarena, Saturday Night und Bailando hinter uns“-Alter einfach den Swag haben. Den drehen wir auf, während die Brut noch darum bemüht ist, unsere Attitude zu guttenbergen. Oder uns zu… strausskahnen.

Beispielsatz: „Boah, strausskahn mich nicht!“ = „Boah, fick nicht meinen Kopf!“ = „Boah, nerv mich nicht!“

Exkurs: Jugendwörter des Jahres 2011 HIER bei Langenscheidt-Online!

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95 Jahre geballte Dating-Erfahrung

2008 sah das noch anders aus. Damals kürte Langenscheidt „Gammelfleischparty“ als Synonym für die Ü30-Party zum Jugendwort des Jahres. Schon zwei Jahre später tanzte das Niveau der Jugendkultur mit dem Hervorbringen von Prominenten wie Menowin Fröhlich fatal Limbo. Heute sind wir wieder die coolen Säue. Und fröhlich – von wegen Menopause.

Vor zwei Wochen hing ich ich mit Peter und Christian – zusammen sind wir 95 Jahre alt – auf einer Party anlässlich des 11. Geburtstags einer Bar rum. Und während viele andere Gäste bei Eröffnung wahrscheinlich noch die Grundschule besuchten („Ich hab mal mit seinem großen Bruder gepoppt. Glaube das war 2002.“), konnten wir behaupten, uns dort schon zum Opening betrunken zu haben. And we still do!

Manchmal beneide ich meine Freunde mit Reihenhaus, Frau und zwei Kindern trotzdem um die Ruhe in ihrem Leben. Und dann irgendwie doch nicht.

Being 30 and fabulous

In Wahrheit wird die 30 doch nur als magische Grenze bezeichnet, weil wir nach dem Überschreiten über die jugendliche Hybris hinaus sind, die Goethe in der Ballade vom Zauberlehrling aufgreift.

Jene Verfehlungen und Verzweiflungen, die zwangsläufig vor dem RTL-Jugendgericht oder bei der Supernanny endeten. Wir sind jetzt im Carrie-Bradshaw-Alter. Es wird also spannend. Und heiß! Was auf der Welt könnte auch Menschen umhauen, die Diddl-Mäuse, Buffalos und DJ Bobo überlebt haben? Vielleicht Teenagerschwangerschaften. Aber nur, wenn sie die eigene Schwester betreffen.

Deshalb, liebe Teenagerin: Geh’ Barbie spielen! Und Becky: 13 years to go, dann reden wir mal über Jungs.

Chillt euer Leben, Biebers und Mileys,

Mehr zum Thema:

Das Lexikon der Jugendsünden – HIER!

Streifzug durch die neunziger Jahre – HIER!

Britney Spears wird Dreißig – HIER!

Spießer: Jetzt auch noch Kate Moss verheiratet – HIER!

MTV wird 30 und keiner guckt zu – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Coquette am Dienstag, 20. Dezember 2011

    Netter Versuch Brad! Aber die Wahrheit sieht- zumindest für uns Frauen- anders aus: Mit Ü30 noch nicht im selbst verdienten Eigenheim mit eigens produzierten Kindern, angetrautem Ehemann und nebenbei natürlich noch einem chicen Lifestyle-Job zu sitzen, wird von der Gesellschaft böse geächtet. Die heimische Couch ist zumindest ein sicherer Hafen, die vor dem Zusammentreffen mit bemitleidenswerten Restposten auf erzwungenen Ü30-Party’s schützt ,und hier darf man die Champagnerflasche auch ohne Hemmungen in wenigen Zügen leeren. Laszives Sekt-Schlürfen auf dem Barhocker kann soooo anstrengend sein ;-)

  2. Gepostet von siggi am Dienstag, 20. Dezember 2011

    bist Du schon Ü30? gutes Statement von Coquette

  3. Gepostet von Brad am Dienstag, 20. Dezember 2011

    ich bin 31, also even more fabulous :o)

  4. Gepostet von Brad am Dienstag, 20. Dezember 2011

    ich muss jetzt kurz darüber nachdenken :) hat dein Eigenheim einen Gärtner?

  5. Gepostet von Coquette am Dienstag, 20. Dezember 2011

    Ich arbeite erst mal noch am Eigenheim ,-). Aber der Gärtner-Posten wäre dann noch frei für FAB BRAD!

  6. Gepostet von Benno am Dienstag, 20. Dezember 2011

    ich könnte dich stundenlang lesen. man, du brauchst ein buch!!!!!

  7. Gepostet von Sebastian am Dienstag, 20. Dezember 2011

    geile Scheiße! Buffalos, Swatch-Uhren! We rocked! Mehr Nostalgie-Texte!

  8. Gepostet von Ana Kanye Wäst am Dienstag, 20. Dezember 2011

    Tchernobyl war 1986…..

  9. Gepostet von Milli am Dienstag, 20. Dezember 2011

    Dir kann man auch nix erzählen… Great words! Coquette, Mann und Traumjob machen das Glück auch nicht zwingend perfekt. Kind oder Karriere? Beides? Und wenn ja wann und wie und um welchen Preis?Das ist nur eine Entscheidung, dir ich kaum treffen kann. Kinners, wir sind schon echt arm dran. Aber immerhin sexy +, nee Bradie?!

  10. Gepostet von Brad am Dienstag, 20. Dezember 2011

    ich war wohl gerade etwas verstrahlt :)

  11. Gepostet von Brad am Dienstag, 20. Dezember 2011

    xoxo, Gossip Girl :)

  12. Gepostet von Becky am Donnerstag, 22. Dezember 2011

    ich muss jetzt mal endlich mein Alter verteidigen, denn so geht das ja echt nicht weiter … :D die jugendwörter von diesem jahr sind ein scheiß die einfach keiner benutzt ich weiß auch nicht wie es “swag” geschafft hat …
    zudem muss ich sagen, dass das Foto mitterweile schon fast 2 jahre alt ist (d.h. ich bin da sogar noch 15) und ich mitterweile wieder ein wenig mehr als damals weiß ja klar nicht so viel wie die “ältere Generation” aber genug um meines gleichen zu ertragen und das Leben zu genießen :) kann sein, dass das gerade ziemlich klischeemäßig klingt aber hey ich steh dazu jeder durchlebt mal ungewöhnlich zeiten und diddle-blätter hatte ich damals auch… allerdings sollten wir jetzt nochmal 10 jahre zurückgehen und die armen Kinder bemitleiden, die mit Spongebob und Co großwerden… was sollen die denn bitte daraus lernen?!

  13. Gepostet von Brad am Freitag, 23. Dezember 2011

    Schwesterchen, wir sprechen an Weihnachten drüber :)

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